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„Britney: Stück von mir“ ist der Titel der Show, mit der Britney Spears jetzt zwei Jahre lang in Las Vegas auftreten soll.

Britney Spears

"Arbeite, Bitch!“

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Angeblich verdient Britney Spears derzeit täglich 300.000 Dollar. Trotzdem muss man Mitleid mit ihr haben. Ihr neues Album offenbart Mädchensingsang auf Synthesizer-Flokati. Das Schlimmste aber ist, wie man Britney Spears als Dreckstück inszeniert.

Angeblich verdient Britney Spears derzeit täglich 300.000 Dollar. Trotzdem muss man Mitleid mit ihr haben. Ihr neues Album offenbart Mädchensingsang auf Synthesizer-Flokati. Das Schlimmste aber ist, wie man Britney Spears als Dreckstück inszeniert.

Pardon, werte Musikfreunde, wir sind spät dran – die neue CD von Britney Spears lag dem Rezensenten zugegebenermaßen bereits im Dezember vor. Er konnte allerdings nichts schreiben. Er glaubte zunächst an einen Scherz und saß dann verstört vor dem Abspielgerät. Das tut er immer noch. Die Redaktion musste ihn unter wüsten Drohungen zu einer Kritik treiben.

Arme Britney. Da war eine Zeit, singt sie gleich im ersten Lied, „Alien“, eine Zeit, in der sie sich allein fühlte, nicht wusste, wo sie hingehört, wie eine Fremde in einer Menschenmenge – wie ein Alien halt. Wir erinnern uns. Frau Spears hatte eine Glatze, zu wenige Klamotten an und zu viele Drogen drin. Man nahm ihr die Kinder weg und entmündigte die junge Mutter 2008.

Noch heute hat sie einen Vormund. Daher kann die Amerikanerin vermutlich auch nichts für ihr neues Werk „Britney Jean“, benannt nach ihren beiden Vornamen im wahren Leben. Dass überall verbreitet wird, es handele sich um ihr „persönlichstes Album“, muss eine Form subtilen Humors sein; an den zehn Liedchen werkelten mindestens 25 Produzenten und Songschreiber und Tanzbodenrumpler – von Will.i.am bis David Guetta.

Alles auf Synthesizer-Flokati

Herausgekommen ist ein Brei ohne jeden Geschmack. Persönlichkeit? Von Anfang an wird der Sängerin der Autotuning-Effekt unüberhörbar in die Stimme gemischt. Jedes Lied aufs Neue: Mädchensingsang auf Synthesizer-Flokati. Track Nummer 4 zum Beispiel, „It Should Be Easy“, ist genau die nervtötende Sorte „Musik“, die einen abends beim Kochen zwingt, einen anderen Sender zu suchen, selbst wenn die Bratwurst anbrennt, denn das dauert, weil das Küchenradio eigentlich nur einen Sender knarzfrei kann.

Mag ja sein, dass es ein Publikum für diese Art Pop gibt. Seltsam genug. Das Schlimmste aber ist, wie man die 32-Jährige, deren Karriere einst im „Mickey Mouse Club“ begann, als Dreckstück inszeniert. Schauen Sie sich mal das Video zur ausgekoppelten Single „Work Bitch“ an: „Du willst einen Bugatti, du willst einen Maserati, du willst einen Lamborghini, du willst Martinis schlürfen, du willst in einem Bikini heiß aussehen – dann arbeite, Bitch!“ Offenbar im Puff.

Nein, schauen Sie sich das Video lieber doch nicht an. Man wartet die ganze Zeit darauf, dass das Thema ironisch gebrochen wird, weil es ja aufrütteln soll. Oder? Ach so. Es soll gar nicht aufrütteln.

Das nackte Püppchen

Fans beklagen im Internet, dass Britney Spears immer so schlechte Kritiken bekommt. Sie könnte einer alten Frau das Leben retten, heißt es, und trotzdem werde immer noch auf ihr herumgehackt. Das wäre bedauerlich. Aber falls Britney Jean Spears schon mal eine alte Frau aus der Santa Monica Bay gezogen hat – hier bei uns hat es keiner mitbekommen. Wir sehen nur, welches Frauenbild seit 20 Jahren auf das nackte Püppchen projiziert wird. Das dürfte mehr jungen Frauen Probleme machen, als es alten Frauen hilft. Selbst Minnie Mouse ist längst drei Selbstbewusstseinsstufen weiter.

Arme Britney. Das klingt jetzt alles gemein. Aber die Künstlerin hat im Moment sowieso keine Zeit, Plattenkritiken in der Frankfurter Rundschau zu lesen. Sie gastiert gerade mit ihrer Show in Las Vegas. Es heißt, sie macht dort 300.000 Dollar am Abend. Die Produzenten werden sich freuen.

Britney Spears: Britney Jean. RCA/Sony Music.

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