Three Days Grace

APPImmer noch ordentlich laut

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Three Days Grace laden im Wiesbadener Schlachthof zu einem durchaus munteren Klassentreffen.

Ein Konzert der Post Grunge Band Three Days Grace erinnert ein wenig an ein Klassentreffen. Erst freut man sich wochenlang auf das Wiedersehen alter Bekannter und dann lässt man es krachen – in diesem Fall mit viel lauter und schweißtreibender Musik im seit langem ausverkauften Schlachthof Wiesbaden. Natürlich erinnert man sich an früher, an die Zeit, als es noch einfache Urteile gab („Love Me or Leave Me“), als man noch davon träumte, einfach ausbrechen, sich von allem lossagen zu können („Break“). Aber natürlich unterhält man sich auch über all das, was sich verändert hat („Animal I Have Become“, „You Don’t Get Me High Anymore“). Und da gibt es bei den Musikern aus Kanada eine ganze Menge.

Three Days Grace startete 1992, während Bands aus Seattle wie Nirvana, Soundgarden, Pearl Jam oder Screaming Trees und andere mit ihrem damals neuen Musikstil Grunge gerade die Branche aufmischten und die Musikwelt dominierten. Deren Einflüsse finden sich bei Three Days Grace etwa in den absichtlich ungeschliffen und rau wirkenden Gitarrenriffs oder in Songs, die tendenziell die politischen Verhältnisse kritisieren („World So Cold“).

Die größten Erfolge feierten die Kanadier in den nuller Jahren, als sie längst unter dem Label Alternative Rockband segelten und mit Titeln, die die Zerrissenheit thematisieren. Heute ist das weniger wichtig. Bei Konzerten kommt es eher darauf an, wie viel Druck die Band entwickeln kann. Und da müssen sich Three Days Grace nicht verstecken (Fan: „War das laut“).

Die Bühnenshow von Three Days Grace ist nicht so spartanisch wie zu Grunge-Zeiten, als die Bands raus auf die Bühne gingen und ohne viel Drumherum und allzu lange Pausen losrockten. Es war auch die Zeit vor den Smartphones. Also bevor Fans Konzerte aufnehmen konnten, und so mancher praktisch ausschließlich durch den Bildschirm den Abend verfolgt. Es war eben nicht alles schlecht, früher.

Die Band beginnt ihr Konzert mit einem langen Intro, bei dem die Bühne in tiefblaues Licht getaucht ist. Für die ruhigeren Songs („Love Me or Leave Me“, „Get Out Alive“) setzt sich das Quartett auf der Bühne auf kleine Bänke und bittet das Publikum, es ihnen gleich zu tun. Und alle gehen zu Boden. Womöglich ist das dem Alter der Musiker geschuldet. Mit Ende 30 oder Anfang 40 braucht man eben auch mal eine Verschnaufpause. Und die Ausdauer hat offensichtlich ebenfalls gelitten. Ziemlich exakt nach 90 Minuten ist Schluss. Andere Bands setzen da erst zum Endspurt an.

Das macht aber dem Publikum wenig. „Hammer“, fasst ein weiblicher Fan den Abend mit einem Wort zusammen. So läuft das halt bei Klassentreffen. Viel wichtiger als die Einzelheiten ist der Gesamteindruck. Und dann geht man nach Hause und freut sich aufs nächste Mal.

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