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Anne-Sophie Mutter mit Streichquartett in Frankfurt – Zappelphilipp Beethoven

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Von: Bernhard Uske

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Anne-Sophie Mutter, Ye-Eun Choi, Vladimir Babeshko und Daniel Müller-Schott in der Alten Oper Frankfurt. Foto: Ansgar Klostermann
Anne-Sophie Mutter, Ye-Eun Choi, Vladimir Babeshko und Daniel Müller-Schott in der Alten Oper Frankfurt. Foto: Ansgar Klostermann © Ansgar Klostermann

Wie aus Quartetten Mini-Violinkonzerte werden: Anne-Sophie Mutter mit Begleitung in der Alten Oper Frankfurt.

Eine road map auf diese fremde Insel“ wollte Anne-Sophie Mutter dem Publikum anbieten bei der Aufführung von Jörg Widmanns 6. Streichquartett von 2019, das „Studie über Beethoven“ heißt. Dargestellt beim Pro- Arte-Gastspiel der Geigerin, die sich diesmal ganz der Rolle der Primaria eines Streichquartetts widmete. Im Großen Saal der Alten Oper trat sie gemeinsam mit dem Cellisten Daniel Müller-Schott, mit Ye-Eun Choi (Violine), der Stipendiatin der Anne-Sophie Mutter Stiftung, sowie mit Vladimir Babeshko (Viola) auf.

Akustische Statisterie

Schade, dass man von den beiden jungen Quartett-Mitgliedern wenig hörte angesichts des dominanten Tons und der vorpreschenden Art von Mutter. Auch der Cellist, einer der prominenten Namen des Musikbetriebs, war beim 1. Sonnenquartett Joseph Haydns und dem 2. Quartett der Beethovenschen Opus-18-Reihe fast zur akustischen Statisterie verurteilt.

Wobei es sicher gut war, dass Müller-Schott nicht mit gleicher Münze zahlte wie sein geigerisches Pendant. Aus dem Diskurs von vier Stimmen wäre da womöglich nur ein sich überbietender Dialogwettlauf geworden mit den beiden Mittelstimmen als Hintergrundleuchten. Die subtile und höchst konstruktive Faktur der Kammermusik der Klassiker als Basis für das solistische Schaulaufen war mit extremen Laut-leise-Spreizungen einer auf ständige Abwechslung versessenen Selbstdarstellung verbunden.

Ein wenig wirkte das wie das Vermeiden der Konzentration auf Details, auf zurückgezogene Klangwirklichkeit und von längerfristigen Auf- oder Abbaustadien im Klangprozess. Stattdessen galt es anscheinend, mit Rasanz und krassen Solo-Exponierungen alle ständig bei Laune zu halten. So war dann dem „Affetuoso e sostenuto“-Satz bei Haydn die schweifende und versunkene Betrachtung einer schwermütig-andachtsvollen Atmosphäre zugunsten fast spätromantischer Drücker genommen. Beethoven kam als Zappelphilipp im knapp sitzenden Rokokokostüm daher und bei jeder Steigerung gleich mit kräftigstem Bogenstrich.

An der Virtuosität in diesen zu Mini-Violinkonzerten mutierten Quartetten war gar nicht zu rütteln, und das Publikum war zuletzt sogar zu langem Beifall nach den Widmannschen Auslassungen (im Minutentakt nach jeweils einem kurzen Beethoven-Zitat unstrukturierte Klangschrägheiten ohne größere Form-Idee) bereit. Hatte doch Mutter allen für das Durchhalten bei dieser Durststrecke ein Mozart-Klangzuckerl als Belohnung versprochen.

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