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Anna Lucia Richter, hinten Ammiel Bushakevitz.
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Anna Lucia Richter, hinten Ammiel Bushakevitz.

Frankfurter Opernhaus

Anna Lucia Richter beim Liederabend in der Oper Frankfurt: Lieber bleib’ ich hier, bleib’ ich ewig hier

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Anna Lucia Richter und Ammiel Bushakevitz beim Liederabend im Opernhaus Frankfurt.

Anna Lucia Richter sprang beim Liederabend in der Oper Frankfurt für den kurzfristig ausgefallenen Johannes Martin Kränzle ein, letzteres eine bittere Nachricht, aber erstere ein fabelhafter Ersatz. An Richters Seite der Pianist Ammiel Bushakevitz, der den unwiderstehlichen zweiten Teil mit Franz Schuberts Impromptu Nr. 3 einleitete, unwiderstehlich, weil Richter bekannte, aber eben doch nicht stündlich gehörte Schubert-Nummern ausgesucht hatte – eine Auswahl, die aufs Filigrane und feingliedrig Szenische setzte.

In vollendetem Verein etwa beim „Gretchen am Spinnrade“, dessen beharrliches Schnurren sich in Bushakevitz’ feinst nuanciertem Spiel stets von seiner so stupiden wie stupenden Seite zeigte. Richter unterdessen demonstrierte nachdenkliches und doch unverdrossen schönes Singen in hoher Intensität und tiefer Durchdringung. In diesem Fall als ein nach innen leidendes, nach außen geübt weiterwerkelndes Gretchen. Nachher in der Zugabe „Seligkeit“ mit einer weltlichen Pointe, die selten so zärtlich gewitzt vermittelt wird. Irritierend hingegen, dass sie „Der Wanderer an den Mond“ so kokett gestaltete, aber das müsste man jetzt gleich noch einmal hören.

Insgesamt zeigte sich Richter als Bühnenakteurin der Extraklasse. Hier bog sich kein Finger und scharrte kein Fuß, ohne dass die – offenbar nur sicherheitshalber mit Noten antretende – Sängerin es wollte. Den Fachwechsel, den die 1990 geborene Sopranistin während des Corona-Jahres in Richtung Mezzo unternahm, hängt sie nicht an die kleinste Glocke. Er war außerdem zu hören, aber bezaubernd.

Kultur des einfachen Tons

Der Abend begann mit Liedern von Gustav Mahler, „Lob des hohen Verstandes“ als quietschfideler Start. Die völlige Kontrolliertheit im Ausgelassenen (sozusagen die hohe Kultur, einen Simpel vorzustellen) war hier schon fulminant. In den „leichten“ Liedern – „Wer hat dies Liedlein erdacht“, „Rheinlegendchen“ – feierte Richter den einfachen, den bis ins Karge einfachen Ton.

Der im „Urlicht“ dann möglicherweise auch dazu diente, eine noch vorhandene Leichtgewichtigkeit der Stimme geschmackvoll auszugleichen. Den goldenen Höhen stehen noch keine ebenbürtigen Tiefen gegenüber. Ein sicher spannender Prozess, der sich im Sommer etwa im Salzburger „Don Giovanni“ niederschlagen soll. Richter singt hier zur Festspieleröffnung die durchaus zwischen Sopran und Mezzo liegende Zerlina.

Im mittleren Block gab es einige Hugo-Wolf-Lieder. Auch hier überwogen die nicht hochdramatischen, sondern inniglichen Nummern – meditativ: „Verborgenheit“ – , ohne dass es Richter je an Energie gefehlt hätte.

Das Publikum, nach ersten Opernabenden nicht mehr ausgedörrt, aber immer noch sehr bedürftig, klatschte sich allmählich ein, nach hinten heraus hätte es, zumal mit Schubert, noch lange weitergehen dürfen.

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