Marc Bolan.
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Marc Bolan & T. Rex – „Angelheaded Hipster“

Ehrung eines bunten Engels

  • vonPhilipp Kause
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„Angelheaded Hipster“: Ein Album mit großen Namen widmet sich den Songs von Marc Bolan und T. Rex.

Man liest T. Rex! „Get It On“ liegt auf der Zunge, auch „Telegram Sam“. Jüngeren sagt der Bandname oft kaum etwas. Marc Bolan ist schließlich lange tot. Einen Monat nach Elvis starb er, im Herbst 1977, bei einem Autounfall auf dem Beifahrersitz. Ein Schock für Musikfans damals. Marc Bolan stand für Lebensfreude, ewige Jugend, basslastige, moderne Hits, kesse, bunte Outfits.

Auch für ein Genre: Glam Rock, aus dem in den achtziger Jahren dann der Vokuhila-Poser-Rock wurde. Musiker und Musikerinnen seiner Generation wie auch der nachfolgenden sehen ihn heute als engelsartig, passend zu seinem zarten Gesicht mit den Locken. Fast 30 Acts setzen ihm auf dem Album „Angelheaded Hipster“ ein Denkmal.

Ein Tribute-Album nennt man so etwas auf dem Musikmarkt; meist werden Lebende geehrt. Auf diesem hier schillert vor allem die Liste der Beteiligten: U2, die Lennon-Söhne Sean und Julian, Marc Almond, heutige Folk-Ikonen wie Devendra Banhart. Sogar Nick Cave macht mit.

Die Werkschau geht sehr feinfühlig vor, indem sie filigrane neue Arrangements in die 26 Tracks hinein webt. Die meisten Teilnehmenden kommen dabei jedoch auf einander sehr ähnliche Ideen: Sie arbeiten zarten Art-Pop mit Einlull-Effekt aus den einst rockigen Songs heraus. Wobei Bolan nicht nur Rock im engeren Sinne beherrschte, sondern auch Psychedelic-, Folk- und Soul-Anteile ausfeilte. Bei den heute covernden Interpretinnen und Interpreten wird hier aus solchen Schnörkeln zumeist jazzig-verspielter, edler Lounge-Kitsch. Während die Quantität überfordert, tauchen erstaunlich viele nicht allzu bekannte Stücke aus dem Katalog von T. Rex und Bolan auf. Hits wie „Hot Love“ fehlen dafür.

Haften bleibt wenig. Kesha, 33, Multistilistin par excellence, kommt am besten mit ihrer Vorlage zurecht, inszeniert „Children of the Revolution“ als funkelnden Kracher. Viele Musikerinnen nehmen teil, unter denen Beth Orton, 49, hervorsticht. Die Indie-Pop-Elfe vom östlichsten Zipfel Englands ist für Marc Bolan recht jung. Er starb, als sie sechs war. Die Gitarre heult zum Start ihrer Version des „Hippy Gumbo“. Bluesige, verwaschene Akkorde mischen sich fragmentarisch dazwischen, Beth Orton liefert Klagegesang.

Lärm der Sternschnuppen

Die Instrumentierung klingt surreal, kakophonisch und verträumt, als würden Sternschnuppen auf die Erde fallen und dabei einen Riesenlärm verursachen. Sehr mädchenhaft gibt sich die – sonst in härterem Soundmilieu aktive – Kanadierin Emily Haines von der erstklassigen Alternative-Combo Metric. Ihre Lolita-Version von „Ballrooms of Mars“ kombiniert quietschende Violinen und Marschgetrommel. Bolans Zeitgenossin Joan Jett („I Love Rock’n’Roll“) trifft mit ihrer „Jeepster“-Version am klarsten den Nerv der damaligen Zeit, während die gemeinsame Darbietung von Elton John und U2 so ratlos zurücklässt wie Nick Caves Beitrag, der es mit dem Streicherensemble arg übertreibt, während man Nena den monoton-ideenlosen Ritt als „Metal Guru“ kaum abkaufen kann.

Eine so dominante Vorlage wie T. Rex mit einem solchen Album zu ehren, ist eine riesige Herausforderung – so viel lässt sich aus dem Projekt lernen. Da der Initiator der Doppel-CD, Produzent Hal Willner, am 6. April an den Folgen einer Corona-Infektion starb, scheint das Vorhaben nicht mehr ganz rund geworden zu sein. Immerhin, „Angelheaded Hipster“ ist ein interessanter Versuch, dieses Kapitel der 70er-Popkultur ins Heute zu holen.

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