Musikfest „Eroica“

András Schiff in der Alten Oper: Revolution im Innenbereich

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András Schiff beim „Eroica“-Musikfest in der Alten Oper Frankfurt.

Die Verbindung von Deutlichkeit und Distanz, die András Schiffs Habitus als Pianist in Auftritt und Formgebung bestimmt, galt bei seinem Gastspiel im Großen Saal der Alten Oper auch für seine Ansprache ans Publikum. Er nutzte hier eine Variante der letzten Seite von Roberts Schumanns C-Dur-Fantasie, die vom Komponisten als ungültig gekennzeichnet worden war: Ihr poetischer Gehalt sei so großartig, dass, so Schiff, das Publikum dem Spieler „dieses Verbrechen“ verzeihen möge. Gefunden habe er das Blatt nach einem Hinweis des US-amerikanischen Pianisten und Musikwissenschaftlers Charles Rosen in der Bibliothek seiner Heimatstadt Budapest 1970. Und in der Tat machte der das Werk von 1838 jetzt wie verklammert wirken lassende Schluss mit seinem zu Beginn schon einmal ertönenden Zitat aus Ludwig van Beethovens „An die ferne Geliebte“ die Begeisterung Schiffs nachvollziehbar.

Ein überlegen wirkender, dabei gründlicher, ja pingeliger Zugriff erfolgte, was schon bei Schumanns 1. Sonate in fis-Moll der Fall war. Der langen, und im Gegensatz zur durchaus populäre Idiome vermittelnden Fantasie strengeren und herberen Sonate wurde keine raffende oder forcierende Darstellung zuteil, was zur Verdeutlichung des konstruktiven Elements sehr gut war.

Ähnlich hatte Schiff zu Beginn Beethovens As-Dur-Sonate mit ihrem Trauermarsch präsentiert, dem pianistischen Pendant zum orchestralen der Eroica. „Eroica – Musik als Bekenntnis“, das Motto des Alte-Oper-Musikfests, gilt natürlich auch für die Kammermusik, wo die Hymnen, Märsche und Tänze des republikanischen Tonfalls von Komponisten wie Beethoven aufgegriffen wurden – hier in der Subjektivität des genialischen Künstlers aus dem rheinischen Bonn. Besonders in der Waldstein-Sonate klingen der „éclat triomphal“ und der „élan terrible“ manifest. Die Ecksätze werden von manchen Solisten als wahrer „terreur“ gegeben: donnernde Kaskaden, Salven hämmernder Motive bis zum ausfallend werdenden Rundtanz-Finale. Weit davon entfernt Schiff. Nicht dass auch nur eine Note weniger deutlich markiert gewesen wäre. Die Relationen stimmten an jeder Stelle. Aber alles war von der Straße weit weg und dem Innenbereich artistischer Strategie, subjektiver Nachdrücklichkeit übergeben. Es blieb klar: Das ist ein Spiel mit Formen, die neu in der Welt und dazu da sind, die Phantasie eines begnadeten Künstlers mit Brennstoff zu versorgen.

„Eroica“-Musikfestder Alten Oper Frankfurt: bis 29. Sept. www.alteoper.de

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