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Orozco-Estrada dirigiert die Wiener. Foto: Tibor Pluto/Alte Oper Frankfurt
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Orozco-Estrada dirigiert die Wiener.

Alte Oper Frankfurt

Andrés Orozco-Estrada und die Wiener Symphoniker: Ein Blick über die Schulter

  • VonStefan Michalzik
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Liebenswürdig wie immer: Andrés Orozco-Estrada ist mit den Wiener Symphonikern zu Gast in Frankfurt.

Im Juni erst hat Andrés Orozco-Estrada in der Frankfurter Alten Oper sein Abschiedskonzert als Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters gegeben – zum Beginn der neuen Saison gastierte er an gleicher Stelle mit den Wiener Symphonikern, seinem neuen Orchester. Reizvoll die Auswahl des Programms, ganz ohne landläufige Konzertsaalrenner. „Komponieren in oder für die Fremde“, so lautete die im Programmheft formulierte lose Klammer.

Der Antonín Dvorák der im Winter 1884/85 komponierten 7. Sinfonie ist ganz und gar nicht jener der Slawischen Tänze oder anderer Stücke „im Volkston“. Von der Nachwelt treffend „Die Tragische“ geheißen, handelt es sich um ein wie mit dem Schicksal ringendes Werk in Fortführung der Linie Beethoven – Brahms. Straff der Zugriff Orozco-Estradas, bestechend die strukturelle Klarheit.

Für den eine Generation jüngeren tschechischen Landsmann Bohuslav Martinu war über Dvorák hinaus Debussy von erheblichem Einfluss. Von den nazideutschen Truppen 1940 aus Paris vertrieben, komponierte Martinu 1952 in den USA das Rhapsody-Concerto, ein zweisätziges Bratschenkonzert (eines der raren für die Bratsche): Es ist offen und frei in der Form, bewegt sich in spätromantischer Art in einem quasi „vorschönbergschen“ Feld am Rande der Tonalität. Hinreißend die verhaltene, geradezu schmerzhafte Expression im Spiel des fabelhaften Solisten Antoine Tamestit.

Fast wie eine Kammermusik

Für die eingangs gespielte Sinfonie Nr. 90 in C-Dur Hob. I:90 von Joseph Haydn verkleinert sich das Orchester in Annäherung an die historischen Bedingungen der Epoche. Im vorrevolutionären Jahr 1788 in Wien komponiert für eine Pariser Freimaurerloge, trägt das Werk einige französische Züge, besonders im Menuett. In zügigem Tempo nimmt Orozco-Estrada die Ecksätze, mit scharfen, aber nicht auf die Spitze getriebenen Kontrasten, er sucht nicht die Extreme. Großartig auch das beinahe schon kammermusikalische Musizieren des Orchesters im langsamen Satz; ausgekostet das höfisch-tänzerische Moment im Menuett.

In der gewitzten Generalpause im vierten Satz, einem tückischen „falschen Schluss“, klatschte niemand – Andrés Orozco-Estrada nötigte das einen Blick der Anerkennung über die Schulter ab. Über die musikalische Eloquenz hinaus ist es auch die Liebenswürdigkeit, mit der er sein Publikum besticht.

Groß der Jubel am Ende des Abends, gesteigert erst recht nach dem mit überschwänglicher Feierlaune gegebenen fünften der Ungarischen Tänze von Johannes Brahms – ein Hit an dieser Stelle muss dann doch sein.

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