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Andreas Scholl und Dorothee Oberlinger in Kloster Eberbach: Die Macht der Blockflöte

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Von: Judith von Sternburg

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Andreas Scholl und Dorothee Oberlinger beim Rheingau Musik Festival in Kloster Eberbach. Foto: Ansgar Klostermann/RMF
Andreas Scholl und Dorothee Oberlinger beim Rheingau Musik Festival in Kloster Eberbach. © Ansgar Klostermann/RMF

Dorothee Oberlinger und Andreas Scholl im Rheingau.

Countertenöre und erst recht Blockflöten haben es bei großen und Blockflöten sogar schon bei nur etwas größeren Besetzungen schwer. Sobald sich die Umgebung auf sie einstellt, kann es kaum etwas Filigraneres und Menschlicheres geben. Erstklassig zudem die Besetzung beim Rheingau Musik Festival in Kloster Eberbach, wo Andreas Scholl sang und Dorothee Oberlinger flötete, zwei Asse, begleitet von Oberlingers Ensemble 1700.

Gemeinsam ist der Solistin und dem Solisten, wie sich zeigte, das Natürliche im Virtuosen, das Leichte und gewissermaßen Entspannte. Scholl, der als Kiedricher in der Basilika nicht zuletzt als Lokalmatador auftritt, hält seinen angenehmen, eher dunkel eingefärbten Counter ganz undivenhaft und weich, selbst in den Kaskaden emotionaler Arienausbrüche bleibt das unspitzig und elegant. Oberlinger bietet – diesmal auf einer unterhaltsamen Auswahl bis hin zur Bassflöte – eine entschlossenen, nicht selten auch zum Schlichten entschlossenen Ton. Eine Blockflöte ist nicht nur eine Röhre, sie kann auch röhren, wenn es um sie herum nicht zu laut ist.

Die Nähe des Flötenklangs zum gesungenen Ton war dabei berührend und ist selten so deutlich, vielleicht entsteht er durch die unmittelbare Klangbildung der Blockflöte, jedenfalls waren die Duettsituationen besonders intensiv und reizvoll. Die Auswahl der Werke machte dem Namen des begleitenden Ensemble Ehre: Alle beteiligten Komponisten erlebten das Jahr 1700.

Die Konzerte und Kantaten von Alessandro Scarlatti, Francesco Mancini, Antonio Caldara oder dem wunderbaren, zuletzt wieder etwas mehr in den Blick rückenden Nicola Antonio Porpora waren immer auch in sich kontrastreich gebaut. Und immer vorbei, bevor man sich satt gehört hatte. Die Händel-Cantata „Mi palpita il cor“ zeigte zwar, dass er der Großmeister des Einfalls ist, aber auch direkt im Anschluss war die Flöte auf Streicherwogen in einem Domenico-Sarri-Concerto kein Abfall.

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