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Nichts für die Jazzpolizei

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Von: Stefan Michalzik

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Andrea Motis, hier ohne ihr Quintett.
Andrea Motis, hier ohne ihr Quintett. © Angel Navarrete/Imago

Andrea Motis spielt mit ihrem Quintett Loopholes ein umjubeltes Konzert im Frankfurter Palmengarten.

Verschiedentlich hat die Trompeterin und Sängerin Andrea Motis Vergleiche mit Norah Jones auf sich gezogen, besonders für ihr beim wiederbelebten Impulse!-Label erschienenes Debütalbum „Emotional Dance“ (2017). Um Jones hat es seinerzeit eine jazzpolizeilich geführte Debatte gegeben, die auf einem Irrtum beruhte: Allein weil ihre Alben bei dem Traditionslabel Blue Note erscheinen, ist sie noch lange keine veritable Jazzsängerin. Um der Klarheit willen ist von jazzaffiner Popmusik zu sprechen – da gelten andere Maßstäbe.

Und Andrea Motis? Ist eine technisch immens versierte Jazzinstrumentalistin und -sängerin. Eindrücklich nachzuhören ist das auf einem ihrer beiden aktuellen Alben, „Colors & Shadows“, eingespielt mit der WDR-Bigband unter dem Dirigenten und Arrangeur Mike Mossman, das die 28-jährige Senkrechtstarterin aus Barcelona nicht zuletzt als Meisterin der Leichtigkeit ausweist.

Bei weitem nicht so erfreulich indes das Bild bei Motis’ Konzert mit ihrem Quintett „Loopholes“ – im Frühjahr ist ein Album gleichen Namens herausgekommen – in der von der Frankfurter Jazzinitiative betreuten Reihe Jazz im Palmengarten (in diesem Fall in Zusammenarbeit mit dem Instituto Cervantes).

Schwester von Norah Jones

Da nun wirkte Motis insofern wie eine (allerdings ungleiche) Schwester von Norah Jones, als auch hier eher der Befund „jazzaffine Popmusik“ zutraf. Da spricht erst einmal nichts dagegen – die Frage, inwieweit Motis gerade mit „Loopholes“ ein Fall für Jazz im Palmengarten ist, stellt sich gleichwohl.

Denn es handelte sich bei diesem Konzert um einen Mischmasch diverser musikalischer Gefälligkeiten, zwischen Bossa Nova und Softsoul und der Anverwandlung eines Cumbia-Klassikers; mitunter ist Nils Landgren mit seiner Funk Unit nicht weit, mal auch der späte Herb Alpert. Unmittelbar nach der Pause Bob Marleys Hit „Is This Love“ in einer Cocktailjazzversion, in der Zugabe sozusagen im Gegenzug der Gershwin-Standard „Summertime“ im harmlos-sanften Reggaerhythmus.

Rar die Momente, in denen Motis mit ihrem Quintett – der Österreicher Christoph Mallinger (Motis’ Ehemann) an Violine, Gitarre und Mandoline; Kevin Diaz, Klavier und Keyboard im Fender-Rhodes-Sound; Stephan Kondert, E-Bass und Miguel Asensio am Schlagzeug – offenbarte, dass sie auch anders kann, besonders in der Nummer „Calima“, die mit ihrer spannungsreichen Schwerflüssigkeit und ihren harmonischen Kühnheiten ein interessantes Potenzial aufzeigt. Umjubelt dieser Abend – der Erfolg dürfte Begleiter von Andrea Motis bleiben.

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