1. Startseite
  2. Kultur
  3. Musik

András Schiff in der Alten Oper Frankfurt: Das Angenehme, Strenge und Sportive

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Bernhard Uske

Kommentare

András Schiff auf einem Konzert 2015.
András Schiff auf einem Konzert 2015. © dpa/(Archivbild)

András Schiff und die Cappella Andrea Barca in der Alten Oper

Alle sechs Konzerte für Klavier, Streicher und Basso continuo präsentierte András Schiff mit seiner Cappella Andrea Barca in der Alten Oper bei den Frankfurter Bachkonzerten. Einer seiner zyklischen Aufführungen, die bis dato von Haydn über Beethoven, Schubert, Schumann bis Bartók reichen.

Meist pflegt der Pianist und Dirigent aus Ungarn, Jahrgang 1953, während seiner Auftritte auch ein wenig audio-politischen Stammtisch, was immer einigen Witz hat. Diesmal aber blieb man streng bei der Sache, wozu sich um den schräg auf dem Podium des Großen Saals postierten Flügel mit aufgestelltem Deckel die Musikerinnen und Musiker eng scharten. Eine für die linke Seite des Parkett-Auditoriums nicht optimale Anordnung, minderte sich der akustische Anteil des Solo-Instruments am Gesamtklang doch gegenüber den äußerst präsenten Streichern des 21-köpfigen Orchesters.

Das schlug einen markant profilierten Ton an, dem alles Gravitätische abging. Man kennt solches Klangbild von historisch orientierten Ensembles, hier aber war er ohne die körperlose und blasse Konformität mit ihrer metrischen Dominanz. Jede kleinste Abweichnung von den Bach geläufigen Gestaltungsmustern, wurde fast genauso geläufig aufgedeckt und erkennbar gemacht. Ohne dass ein Fokus darauf gelegt und das Ganze eine Hinweismusiziererei geworden wäre.

Wie aus dem Handgelenk

Das galt auch für András Schiffs Spiel, das wie aus dem Handgelenk geschüttelt erschien. Es gab, wie immer bei ihm, keine irgend geartete Performance vor oder auf den Tasten. Alles war wie ein Dienst am Satzgefüge, wie ein Dienen der Sache selbst, und das ist die Partitur und sonst nichts. Das oberflächlich ungerührte Verhalten der Spielerinnen und Spieler mit dem unerbittlichen Fortschreiten, bei durchaus bewegten Tempi, setzte in der Regelhaftigkeit und im Solo-Tutti-Verhältnis eine bezwingende Dynamik frei.

Die langsamen Sätze, oft und gern als tief lotende Melancholismen überinterpretiert, blieben im Modus des Ungedehnten und Unbefrachteten. Stärkere rhetorische Momente gab es nur bei den von der Finalmanier her bestimmten Schlussritardandi. Man hatte den Eindruck, bei Schiff am Indifferenzpunkt von Gefälligsein, strengem Formvollzug und den bei Bachs konzertanten Formaten oft erlebbaren fast sportiven Verausgabungshaltungen zu sein.

Auch interessant

Kommentare