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Jagdish Mistry in Frankfurt

Analytische Klarheit der Konturen

  • VonStefan Michalzik
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Der Geiger Jagdish Mistry preist im Gewölbekeller des historischen Zollhauses von Höchst sein Instrument.

Von der musikalischen Moderne unangefochten ist Bach immer noch das Maß aller Dinge, besonders in der Musik für ein Soloinstrument ohne Begleitung – das hat auch bei dem Konzert von Jagdish Mistry im Gewölbekeller des historischen Zollhauses am Höchster Schlossplatz seinen Niederschlag gefunden. Der 1963 in Mumbai geborene Schüler der Yehudi-Menuhin-School, seit über zwanzig Jahren der erste Mann am Geigenpult beim Ensemble Modern, eröffnete den Abend mit der zweiten Sonate für Violine solo in a-moll BWV 1003. Mit einem warmen Ton spielte er die vier Sätze, die Virtuosität dieses großen Geigers ist von jener uneitlen Manier, die sich selbst auf die Rolle des profunden Mittels zum musikalischen Zweck bannt.

Es ist zwar ein Klischeespruch, demzufolge sich Musikern ob der Schule der „Neuen“ Musik ein geschärfter Blick auf die zurückliegender Epochen auftut: Tatsache ist jedenfalls, dass Mistrys Bach eine analytische Klarheit der Konturen mit einer jegliches Brillieren meidenden Sanglichkeit übereinbringt. Bar des Exotismus hatte der 1995 verstorbene südkoreanische Komponist Isang Yun – sein hundertster Geburtstag steht im September an – das westliche Instrumentarium und die hiesige Moderne mit der Tradition der ostasiatischen Kunstmusik zusammengebracht. In Anwendung seiner Technik der „Haupttöne“ führt er in seinem siebenminütigen Stück „Königliches Thema“ ebenjenes von Friedrich II. aus Bachs „Musikalischem Opfer“ durch sieben zwölftönerische Variationen.

Immense Anforderungen

Seiner ob ihrer immensen technischen Anforderungen jeder Beschreibung spottenden zweiten Étude von 2001 hat Jörg Widmann eine weibliche Vokalstimme eingeschrieben. Diesen Part übernahm Mistrys 14-jähriger Sohn Ajit souverän auf der Geige. Klangsprachlich schließt Widmann in dem expressiven, zum Ende hin sich in ein furioses Tempo steigernden Stück an die Nachkriegsavantgarde an, in einer dogmenbefreiten Art indes. Als intermezzohaften Gegenpol zu all den vom Ausdruck lebenden Musiken schob Mistry zwei der mathematisch motivierten, dabei humorvoll pointierten „Rational Melodies“ des Amerikaners Tom Johnson ein.

Mistry spielt mit einer bezwingenden Sinnlichkeit des Klangs, für die dieser in der Stadt einzigartige Raum wie geschaffen scheint. Die Akustik eines Doms, einhergehend mit der Intimität eines Wohnzimmers: Solcherart pries ihn Mistry in einer seiner allürenfern herzlichen Ansagen.

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