1. Startseite
  2. Kultur
  3. Musik

Anaïs Mitchell gelingt ein Solo-Neustart

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Anaïs Mitchell
Viele Kritiker sehen in Anaïs Mitchell eine der besten Joni-Nachfolgerinnen. © Toby Tenenbaum/chateau du pop PR/BMG Warner/dpa

Der Triumph ihres Albums „Hadestown“ bei Popkritik und Musical-Fans begleitet Anaïs Mitchell seit gut zehn Jahren. Nun erobert sich die Sängerin mit einem neuen Folk-Werk künstlerische Freiheiten zurück.

Berlin - Den Nachnamen hat sie schon mal mit der glanzvollsten Ikone der Singer-Songwriter-Zunft gemeinsam. Im Gegensatz zu Joni Mitchell (78), die seit gefühlten Ewigkeiten auf aktuelle Musik warten lässt, ist Anaïs Mitchell (40) jedoch über ihren Schatten gesprungen.

Mit einem selbstbetitelten neuen Album - schon vom spartanischen Titel her ein demonstrativer Neustart nach rund einem Jahrzehnt Solo-Sendepause - beweist die US-Amerikanerin, warum viele Kritiker sie als eine der besten Joni-Nachfolgerinnen preisen.

In zehn mit heller, klarer Stimme gesungenen Liedern pendelt Anaïs Mitchell zwischen Sixties-Folk und Gitarre/Piano-Balladen. Jede Textzeile und jeder Ton dieser nur gut 32 Minuten langen und doch opulent wirkenden Platte transportieren eine berührende Songpoeten-Sensibilität, die sofort an das große Vorbild aus Kanada denken lässt.

Hauchfein produziert wurde „Anaïs Mitchell“ von Josh Kaufman, mit dem die Musikerin kürzlich schon im Grammy-nominierten Indiefolk-Trio Bonny Light Horseman zusammengearbeitet hatte.

Triumph mit „Hadestown“

Ein so reifes Album kommt selten aus dem Nichts - und auch die im US-Bundesstaat Vermont geborene Anaïs Mitchell hat natürlich bereits einige Meriten vorzuweisen. Sie ist die Komponistin von „Hadestown“ (2010), einem mit acht Tony Awards ausgezeichneten Americana-Musical rund um die mythischen Figuren Orpheus und Eurydike.

Weitere Referenzwerke sind das meisterliche „Young Man In America“ (2012) und die „Child Ballads“ (2013). Das „Time“-Magazin führte sie 2020 auf seiner Liste der 100 einflussreichsten Personen des Jahres.

Ihr neues Werk sieht Mitchell nun als eine Art „Fluchtmöglichkeit“ - denn ein sich über mehrere Jahre immer wieder fortsetzender Erfolg wie „Hadestown“ könne auch eine „Falle“ sein, sagte die Mutter zweier kleiner Kinder dem „Guardian“. „Ich wollte frei sein.“

Was für ein Segen, wenn man dafür Freunde wie Kaufman, Justin Vernon (Bon Iver, Big Red Machine) oder Aaron und Bryce Dessner (The National) hat. Deren Spirit und Sound findet sich im jüngsten Album dieser enorm talentierten Künstlerin wieder. Ein hochwillkommenes Comeback, das sogar ein wenig über Jonis andauernde Schweigsamkeit hinwegtröstet. dpa

Auch interessant

Kommentare