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An endlosen Klanggirlanden entlang

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Von: Bernhard Uske

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In der Alten Oper spielt das Museumsorchester zum Saisonabschluss Werke von Dvorak und Skrjabin

Zum Saisonabschluss der Museumskonzerte prägten ein junger Cellist und eine junge Dirigentin die Interpretationen von Antonin Dvoraks h-Moll-Cellokonzert und der 2. Sinfonie von Alexander Skrjabin. Zwei eigentlich höchst konträre Klangbilder, denn der aufgeräumte, konstruktive und auch ein wenig konventionelle, meist muntere Konzertvorgang des böhmischen Musikers hat nichts gemein mit dem gärenden, sich in zahllosen Abspaltungen, Neuanschlüssen und auch mächtigen Auskristallisierungen ein und desselben Genoms bildenden Klangprozesses, den der eigensinnige Russe pflegte.

Der hatte 1901 sein zweites sinfonisches Opus kreiert und dabei begonnen, verstärkt seiner Vorstellung von einer in Tönen sich vollziehenden Steigerung, ja Transzendierung des alltäglichen Menschen hin zu quasi-sakraler Erhabenheit eine klangliche Erscheinungsform zu geben. Zwar befindet sich das Skrjabin-Potential hier noch im satztypischen Bann tonaler Sinfonik, ist aber doch schon auf dem Weg zu seinem „Poème de l’Extase“ und dem „Prometheus“, wo dann die Grenze der dur-moll-tonalen Ordnung überwunden wird.

Die endlosen Klanggirlanden wurden vom Museumsorchester in der Alten Oper nun fabelhaft realisiert. Keine der Instrumentalgruppen ist bei dieser Strömungs- und Steigerungsperformance unbeteiligt und die schweren und leichteren Blechbläser sowie die Holzbläser agierten vortrefflich. Ebenso die Streicher, die den atmosphärisch leichten und dann auch wieder stählernen Grund des Ganzen zum Strahlen und Gleißen brachten. Giedre Slekyte, die 33-jährige Estin, hatte die Klangmasse im Griff, ohne sie dirigentisch weiter kneten zu müssen. Ein schönes Pathos lag über den evokatorischen Bögen.

Fast ein wenig larmoyant

Beim Cellokonzert konnte man fast meinen, Antonin Dvorak sei durch die mystagogische Brille Skrjabins gesehen worden, so gedehnt, manchmal fast ein wenig larmoyant bis süßlich wirkten die eigentlich eher patenten Klangbewegungen des musikantischen Meisters, der das Werk 1894 in New York komponierte. Kian Soltani, Sohn persischer Eltern aus Bregenz, beherrschte seinen Part hingebungsvoll. Der 30-Jährige schien sich in dem manchmal zähen, aber nie dräuenden interpretatorischen Kontext ebenso wie die Dirigentin wohl zu fühlen. Man zog jedenfalls gemeinsam gemütvoll am langsam sich abwickelnden Faden.

Sehr gut die Zugabe der Bearbeitung eines Dvorak-Lieds (für Violoncellosolo, -tutti und Kontrabass), das in dem gerade gehörten Werk eine formgebende und biografische Rolle spielte.

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