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Taylor Swift am Waldrand.
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Taylor Swift am Waldrand.

Taylor Swift

Am Rand des Klangwaldes

  • vonNadja Dilger
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Nur fünf Monate nach „Folklore“ veröffentlicht Taylor Swift schon das nächste Album, „Evermore“.

Was ist das für eine seltsame Zeit, in der wir uns befinden? Das Leben wirkt stillgelegt, gefährlich. Regeln, an die man sich zu halten wusste, haben plötzlich neue Definitionen. Der Popbetrieb ist hierfür ein gutes Beispiel. Wo zuletzt Single-Veröffentlichungen, Promotouren und Liveauftritte das Geschehen bestimmten, ist dieses Jahr das Überraschungsalbum relevanter geworden, das die Medienlandschaft und Charts dominierte.

Taylor Swift hat es mit ihrem tollen Album „Folklore“ am deutlichsten vorgemacht: ohne große Ankündigung erschienen, mehrere Wochen weltweit in den Charts, nun für einige Grammys nominiert. Und weil das so schön war oder die 30-jährige Songwriterin womöglich in der Corona-Krise einfach nicht viel zu tun hat, legt sie mit einem weiteren Überraschungsalbum nach: „Evermore“.

Weiterreisen mit Musik

Das Album:

Taylor Swift: Evermore. Taylor Swift /Universal Music.

Auf Instagram verkündete sie, es erscheine, weil sie und ihr Team (Aaron Dessner von National, Justin Vernon von Bon Iver, Songwriter Jack Antonoff und ihr Freund Joe Alwyn) nicht aufhören konnten, Songs zu schreiben. „Es fühlte sich an, als ob wir am Rande eines folkloristischen Waldes standen und die Wahl hatten – uns umzudrehen und zurückzugehen oder weiter in den Wald dieser Musik zu reisen.“

Hört man in die 15 neuen Lieder rein, wird klar, dass sich der Sound von „Folklore“ hier weiter verbreitet: Zupfen an akustischen Gitarren, Taumeln am Klavier, melancholische Figuren, die sich hin und wieder zwischen E-Gitarren, Synthesizer und Mandolinen bewegen. Das ist schön. „Folklore“ ist Taylor Swifts bisher bestes Album, die Rolle der Songwriterin steht der Sängerin aus Pennsylvania, die erst Country und dann Pop spielte, äußerst gut.

Andererseits wird man das Gefühl nicht los, dass nun auf „Evermore“ liegt, was für „Folklore“ nicht gut genug klang. Es bleiben schlicht nicht viele Lieder im Kopf haften, was zur Folge hat, dass das Album so vor sich hin plätschert. Die einzigen Ausnahmen sind der pochende, poppige Song „Gold Rush“, die Rock-Ballade „Coney Island“ mit Matt Berninger und die Single „Willow“. Die muss man wieder und wieder hören.

Ob sie so gut sind, dass sie auf „Folklore“ Platz gefunden hätten? Vermutlich nicht. Aber in Zeiten der Pandemie werden Regeln stets neu definiert. Taylor Swift kann theoretisch so lange im Wald zu Folkmusik tanzen, wie sie will. Mit Sicherheit wird sie als Popstar weiter Erfolg haben. In stillen Zeiten ist sie damit ja auch eine schöne Aufheiterung. Ob sie weiterhin überrascht, ist eine andere Frage.

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