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Die ukrainische Rapperin Alyona Alyona. Foto: Alexander Dobrev
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Die ukrainische Rapperin Alyona Alyona.

Rap aus der Ukraine

Alyona Alyona: „Galas“ – Die Silbenspielerin

  • Jakob Maurer
    VonJakob Maurer
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Die ukrainische Rapperin Alyona Alyona reist mit ihrem Album „Galas“ um die Welt.

Vor drei Jahren begab sich Alyona Savranenko auf eine Reise. Aus einem Vorort Kiews rappte sich die ukrainische Kindergärtnerin unter dem Namen Alyona Alyona in die internationale HipHop-Szene. Auf virale Hits folgten Millionen Klicks. Sie galt als erste ukrainische Frau, die rappt, und wurde zur Identifikationsfigur ihrer Generation. Nun erhält das moderne Musik-Märchen seine logische Fortsetzung: Die 29-Jährige hat ihren Reisebericht der Zeit nach den ersten Erfolgen vorgelegt – ihr drittes Album „Galas“, ukrainisch für Hype.

Darauf erklingen neben ihren ukrainischen Textsalven Stimmen aus allen Ecken der Welt: Argentinien, Israel, Polen, Australien oder Kasachstan. „Es spielt keine Rolle, welche Nationalität du hast. Wir leben alle auf dieser Erde und wir können alle Freunde sein“, notiert Alyona Alyona zum Song „Shalom“, den sie mit dem deutsch-ukrainischen Rapper Olexesh aufgenommen hat.

„Shalom“ steht für die völkerverbindende Botschaft der Platte. Im Refrain wendet sich Alyona Alyona in fast nachdenklichem Ton mit Schalom und Salam an Menschen aus Städten und Dörfern hier und da und schließt: „Ich liebe alle“. Doch im Song zeigt sich auch, was die Rapperin nicht macht – alles und jeden diesem Konzept unterordnen.

Wenn Olexesh, der aus Darmstadt stammt und beim Frankfurter Label 385idéal unter Vertrag steht, loslegt oder vielmehr gekonnt losnuschelt, dann nicht über den Weltfrieden, sondern über urbanen Frust und Deutschrap-Düsternis. Und mit fast jedem weiteren Song wird deutlich, dass hier vor allem eines gelungen ist: ein Babel der HipHop-Szene. Von den 15 Liedern sind elf Kollaborationen mit Künstlerinnen und Künstlern aus neun Ländern.

Das Album

Alyona Alyona: Galas. Def Jam Poland / Universal Music.

Im Titelsong „Galas“, der mit seinem repetitiven Silbenspiel im Refrain am meisten im Kopf bleibt, macht sich plötzlich der kanadisch-nigerianische Rapper Dax mit athletischer Entschlossenheit breit. In „Pappi Pappi“, dessen Klavier-Riff an Kendrick Lamars Hit „Humble“ erinnert, rappt die Mexikanerin Yoss Bones auf Spanisch ihren Vater in den Schlaf, um sich aus dem Haus schleichen und um die Häuser ziehen zu können. Alle dürfen ihre Geschichten erzählen.

Zumeist locken die Lieder mit einer schlichten Hook, auf die nach einigen Takten mit voller Wucht kraftvolle Beats und Alyona Alyonas kompromisslose Lines niederprasseln. Dass sich dieser Aufbau wiederholt, fällt wegen der wechselnden Stimmungen zwischen aggressiv und entspannt sowie der vielsprachigen Gastauftritte aber kaum auf.

So auch in „Rayon“, einem Song, den sie als Single bereits im Herbst vergangenen Jahres veröffentlichte. Darin kehrt Alyona Alyona zunächst in ihre Heimat zurück und besingt den Bezirk, in dem sie aufgewachsen ist. Dann lässt sie den kasachischen Rapper Fatbelly in süffisantem Singsang über seine Nachbarschaft berichten.

Und ganz nebenbei scheint Alyona Alyona auf diese Weise ein Signal dorthin auszusenden, wo seit Jahren Menschen sterben und seit wenigen Tagen wieder die Panzer rollen und Truppen aufziehen, weil darüber gestritten wird, wo man hingehört.

Mit ihrem grenzüberschreitenden Schweifen nach Ost, West, Süd und Nord legt sie gewissermaßen einen Gegenentwurf zur festgefahrenen Lage in der Ostukraine vor, wo das Land seit 2014 in einem Krieg mit Russland feststeckt.

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