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Probenfoto mit dem Ensemble Modern zum Konzertprojekt „Xerrox Vol. 4“.
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Probenfoto mit dem Ensemble Modern zum Konzertprojekt „Xerrox Vol. 4“.

Ensemble Modern

Alva Noto: In der Gegenwart von Klang

  • VonStefan Michalzik
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Das Ensemble Modern mit Alva Notos „Xerrox Vol. 4“ online bei den „Frankfurter Positionen“.

Er hasse Kategorien, hat Carsten Nicolai einmal gesagt. Genrebegriffe wie „Ambient“ und „Minimal Techno“ dürften ihn insofern wenig erfreuen – zugeschrieben dem klangbildnerischen Werk, das der crossmedial arbeitende Künstler seit Mitte der neunziger Jahre unter dem Namen Alva Noto veröffentlicht. Nicolai lebt in Berlin und lehrt als Professor an der Kunsthochschule in Dresden mit Schwerpunkt digitale und zeitbasierte Medien. Mit Blick auf seine elektroakustischen Texturen lässt sich vielleicht besser schlicht von „organisiertem Klang“ sprechen, allerdings mit anderen Mitteln als einst bei Edgar Varèse oder Bruno Maderna.

Die Musik auf dem 2020 veröffentlichten Album „Xerrox Vol. 4“ hat eine entschieden dichtere Textur, als es von dem Maximalreduktionisten sonst geläufig ist. Für die im Zuge des Festivals „Frankfurter Positionen“ nun online uraufgeführte, von Max Knoth arrangierte Version für das Ensemble Modern wurde die Titelfolge geringfügig umgestellt und erweitert. So gerne man gerade diese Aufführung auch vor Ort im Frankfurt LAB erlebt hätte, vermittelt sich das Ergebnis sehr gut auch in der Übertragung mit Eins-a-Fernsehqualität in der Bildregie. Der Klang steht im Raum. Das ist eine Musik, die einfach da ist. Die Zeit scheint darüber stehenzubleiben. Im Hintergrund sind jene nicht minder werktypischen, sich stetig wandelnden grafischen Projektionen Nicolais zu sehen, wie sie in Frankfurt etwa durch seine Raum-Klang-Arbeit „unidisplay/uni(psycho)acoustic“ (2013) im Museum für Moderne Kunst eindrücklich in Erinnerung sind.

Ungewohnte Dramatik

Unablässiger Wandel wie in der Grafik so auch im Klang: das ist eine Kontinuität im Werk von Alva Noto. Neu sind rudimentäre Ansätze von „Melodie“. Die Instrumente – mitten unter den Musikerinnen und Musikern Alva Noto am Elektronikpult – treten in ihrer Eigenheit klar hervor, insofern ist das keine wohlfeile Bearbeitung. Da gibt es mal eine Oberlinie auf dem Xylofon, mal schiebt sich das Cello ein wenig nach vorne, mal die Geige, die Flöte oder der Kontrabass, dessen Saiten mit einem Klöppel perkussiv angeschlagen werden. Besonders am Anfang und im letzten Drittel des ungefähr 70-minütigen Stücks gibt es Momente von ungewohnter Dramatik. Insofern bricht die Musik aus der reinen Abstraktion aus.

Ungeheuer schön das alles, auch in seinen düsteren Zügen. Weniger Wohlmeinende mögen von einer Wohlfühlästhetik in Ton und Bild sprechen. Ich tue das nicht, ich bin äußerst fasziniert vom Werk Carsten Nicolais, das sich in seiner Kontinuität fortwährend weiterentwickelt.

„Frankfurter Positionen“: Der Stream wird noch einmal am 25. April gesendet, Tickets via ensemble-modern.com

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