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Sie nennen sich „Goldener Tag“: Die Gruppe Altin Gün. Foto: Rona Lane
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Sie nennen sich „Goldener Tag“: Die Gruppe Altin Gün.

Neues Album

Altin Gün: „Yol“ – Songs, die die Welt umarmen

  • VonStefan Michalzik
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Altin Gün arrangieren türkische Musik aus den 60ern und 70ern neu – mit großartigem Ergebnis.

Diese Musik ist hierzulande in keiner Hitliste aufgetaucht, obwohl sie in nicht geringen Stückzahlen verkauft wurde. Die meist auf Kassetten verbreitete Musik der türkischen Arbeitsmigranten in den 60er und 70er Jahren, seinerzeit „Gastarbeiter“ genannt, wurde von der eingesessenen Bevölkerung kaum wahrgenommen. Nur wenige gingen in türkische Läden und deckten sich ein, angezogen von einem exotischen Klangreiz.

Dieser Reiz ist es, der auch den Amsterdamer Bassisten Jasper Verhulst erfasst hat. Und zwar so sehr, dass er 2017 nach einem Auftritt in Istanbul zusammen mit anderen begann, anatolische Volkslieder und Nummern des türkischen psychedelischen Folkrocks der 60er und 70er Jahre zunächst einfach nachzuspielen. Für den Gesang suchten sie nach türkischen Musikerinnen und Musikern. So kamen die Sängerin und Keyboarderin Merve Dasdemir sowie der Sänger Erdinç Ecevit Yildiz dazu, der ebenfalls Keyboard und die Langhalslaute Baglama spielt. Altin Gün – türkisch für „Goldener Tag“ – hieß die Band forthin.

Alte Titel, neuer Kontext

Das Album

Altin Gün: Yol. Glitterbeat/Indigo.

Eigene Songs schreibt das Sextett bis heute nicht, mit dem „Nachspielen“ indes war es schnell vorbei. Stattdessen werden die alten Titel in einen neuen musikalischen Kontext versetzt. Auf „Yol“ spielen die analogen Synthesizer eine gewichtigere Rolle als zuvor. Für das in der Musikszene als heikel geltende dritte Album sollte der Sound im Vergleich zu dem 2019 für einen Grammy nominierten Vorgänger „Gece“ weiterentwickelt werden. Darum wurde das aus dem belgischen Gent stammende Elektronikproduzentenduo Asa Moto engagiert. Spuren der Psychedelia gibt es weiterhin, doch ist der Sound discofiziert. Manches erinnert zudem an den New Wave der 80er Jahre.

Auf mehreren Nummern spielt Merve Dasdemir das Omnichord, ein eher abseitiges elektronisches Instrument, das in den 80er Jahren entwickelt und mit seinem warmen Sound gerade auch von Lael Neale auf ihrem neuen Album „Acquainted With Night“ prägend eingesetzt wurde.

Hinter dem unbeschwerten musikalischen Tanzhedonismus stecken zum Teil traurige bis melodramatische Texte nach Folkmanier. Das spartanisch instrumentierte „Arda Boylari“ etwa erzählt von einem Mädchen, das zwangsverheiratet werden soll und sich darum mit ihrem tatsächlich Auserwählten im Fluss ertränkt. „Yuce Dag Basinda“ hingegen handelt von der List, nicht in der Nacht mit dem Liebsten das Bett zu teilen, sondern am Morgen, wenn kein Sittenwächter damit rechnet.

Das Repertoire setzt sich zusammen aus Traditionals und Nummern von in der Türkei berühmten Musikern wie dem 2012 verstorbenen Neset Ertas, der lange Zeit in Berlin lebte. Teils lässt sich von Schlagern sprechen, was keineswegs despektierlich gemeint ist. Besonders „Maçka Yollari“ und „Yekte“ erinnern an die weltumarmenden Songs aus den Bollywood-Filmmusicals.

Die Arrangements sind ungemein vielfältig ausdifferenziert. Das dritte Album – unter Distanzbedingungen mit viel hin- und hergesendetem Material vor der finalen Bearbeitung im Studio entstanden – ist Altin Gün großartig geglückt. Es ist tatsächlich ein Schritt vorwärts.

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