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Alter Mann an der Fernbedienung

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Klaus Hoffmann und Till Brönner beim Rheingau Musik Festival im ausverkauften Friedrich-von-Thiersch-Saal im Kurhaus Wiesbadener.
Klaus Hoffmann und Till Brönner beim Rheingau Musik Festival im ausverkauften Friedrich-von-Thiersch-Saal im Kurhaus Wiesbadener. © Ansgar Klostermann / RMF

Jazzpop und manches Witzlein mit Klaus Hoffmann und Till Brönner beim Rheingau Musik Festival im Wiesbadener Kurhaus.

Von Stefan Michalzik

Bloß nicht am „Tatort“ hängenbleiben! Alt, sagt Klaus Hoffmann, werden wir alle mal. Wenn er dann vor dem Fernseher sitze, werde er wenigstens nicht aufhören auf der Fernbedienung herumzudrücken. So lange bis der Nachbar kommt und ihn darauf hinweist, dass das Garagentor dauernd auf- und zugeht.

Das Erzählen strunzbiederer Witze mit einem schalen Humor scheint nicht auf Hoffmanns Liste der zu meidenden Dinge zu stehen. Jedenfalls hat er alle naslang welche zur Hand als Gast von Till Brönner und seinem Quintett. Das Konzert in der Reihe „Fokus Jazz“ des Rheingau-Musik-Festivals im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses ist ausverkauft.

Das schimmert Juhnke durch

Der „Liedermacher“ zeigt sich hier als Entertainer. Der einstige Melancholiker mit der flirrenden Chansonstimme erinnert mit seinem schnoddrigen Altherrenhabitus und dem kernigen Timbre seines Baritons inzwischen schwer an einen anderen Berliner: Harald Juhnke. Auch Frank Sinatra schimmert durch – was noch lange nicht heißt, dass Hoffmann ernstlich an dessen Qualitäten anknüpfen könnte.

In einer gewissen Leichtigkeit changieren die Jazzpopfassungen seiner Lieder zwischen Chanson und Schlager; Hildegard Knef scheint da näher als Hoffmanns großes Vorbild Jacques Brel. Hoffmanns deutschsprachige Version von dessen „Ne me quitte pas“ wirkt tränenselig, wo das Original mit seinem Pathos zu berühren vermag.

Till Brönner steht mit seiner Auffassung vom Jazz bekanntermaßen bei „Kennern“ nicht hoch im Kurs, ein großes Publikum beschert ihm hingegen Popchartnotierungen. Zur Einleitung eine klangsatte Fusionjazznummer in solider Machart, danach ist sie gleich da: Die vielgeschmähte wie beliebte gestopfte Brönnersche Weichzeichnertrompete.

Der Tenorsaxofonist Magnus Lindgren als zweite Spitze scheint nicht nachstehen zu wollen und schwingt sich auf einen adäquaten Ton ein. Die Funken sprühen nicht über eine souverän inszenierte Routine hinaus. Darauf erhebt die Band um Brönner und Lindgren offenbar auch keinen Anspruch: Jasper Soffers an Klavier, Synthesizer und Hammondorgel, Christian von Kaphengst am elektrifizierten Bass und Schlagzeuger David Haynes. Hier eine angeregte Improvisationskunst zu erwarten, wäre wohl vermessen.

Ein muntermuffiger Abend – beim Publikum, dem Augenschein nach beinahe durchgängig Generationsgefährten des inzwischen 65 Jahre alten Hoffmann, findet er einen regen Anklang.

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