Konzertreihe "Happy New Ears"

Das Alte ist das Unerhörte

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Die Konzerte der "Happy New Ears"-Reihe sind über die Jahre etwas angegraut. Liegt ihre Zukunft vielleicht in einer Art Late-Night-Show? Von Bernhard Uske

Vielleicht liegt darin die Zukunft der über die Jahre schon etwas angegrauten Konzerte der "Happy New Ears"-Reihe: eine Late-Night-Show, die zu den die Dauergrenzüberschreitung gewohnten neuen Ohren jetzt auch noch das fröhliche und lustige Gehör bescheren könnte.

Nein, Harald Schmidt war nicht da, aber ein Schnellfeuer redender Interviewer und ein indifferent-zerstreuter Komponist saßen da im Holzfoyer der Oper Frankfurt nebeneinander, wie man das von einschlägigen TV-Formaten her kennt: komisch und bizarr, während im Hintergrund die Musiker des Ensemble Modern, ebenfalls leicht verwirrt agierten - mal herbeigerufen zu kleinen Stück-Präsentationen und sich dann wieder schnell aus dem Staube machend. Dazu die Techniker, die allenthalben etwas zu richten, aufzulegen, abzuräumen hatten.

Endlich die Pubertät

Thomas Adès, dessen Oper "The Tempest" gerade Premiere auf der Opernbühne hatte, antwortete Tom Service: eine britische Harmlosigkeit in diskursivem common sense. Noch mehr Witz, noch schneller der Eine, noch zäher der Andere, noch mehr Pannen mit Tür-Auf und Tür-Zu - dann könnte die Neue Musik in Frankfurt mit ihren jetzt 17 Jahre alten glücklichen Neuen Ohren endlich in die Pubertät kommen.

Denn da ist eine Abnabelung angesagt von den Altvorderen. Und Thomas Adès scheint wie ein Filius entdeckt zu haben, dass die immer Avantgardist gebliebene Vätergeneration auf diese Weise doch das Immer-so-weiter verkörpert. Dagegen sagt er: Mir gefällt François Couperin, ich komponiere in seinem Horizont. Und dann spielt er Couperin am Cembalo und dirigiert eigene Couperin-Transkriptionen und lässt mit jedem seiner Stücke das Alte aufleben als das Unerhörte: Das ist zumindest für die alten Neuen Ohren endlich einmal etwas ganz Neues.

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