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Joy Denalane verkörpert den Soul auch 15 Jahre nach ihrem Debütalbum "Mamani" so formvollendet wie keine zweite hierzulande.
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Joy Denalane verkörpert den Soul auch 15 Jahre nach ihrem Debütalbum "Mamani" so formvollendet wie keine zweite hierzulande.

Joy Denalane

Alles leuchtet

  • Marie-Sophie Adeoso
    VonMarie-Sophie Adeoso
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Joy Denalane betört ihr Publikum im Frankfurter Club Gibson mit strahlendem Soulgesang - und einem Geburtstagskuss für Max Herre.

Irgendwann an diesem Samstag im Frankfurter Club Gibson ist Joy Denalane einfach da. Keine Vorgruppe, kein stundenlanges Warten auf den Star des Abends. Vom Band läuft das von ihrem jüngeren Sohn Jamil eingesprochene Intro-Gedicht zum neuen Album „Gleisdreieck“ und dann gehen die Scheinwerfer an und Joy Denalane singt und strahlt und strahlt, zwei Stunden lang. Alles leuchtet, nicht erst, als sie das gleichnamige Lied anstimmt.

Es ist eine Binsenweisheit, dass Soul, der die Seele ja im Namen trägt, der große Gefühlsträger der Popmusik ist. Aber so ist es eben und Joy Denalane verkörpert ihn auch 15 Jahre nach ihrem umwerfenden Debütalbum „Mamani“ noch so formvollendet wie keine zweite hierzulande. Das warme Gefühl im Bauch ist sofort da, als sie die Hände hebt und ihr Alt sich in die Höhe schwingt: „Ich kann den Himmel berühren“ – man glaubt es ihr.

Die ersten Songs ihres vierten Albums spielt sie routiniert, der Saal groovt sich ein. Frankfurt sei für sie schon immer „eine absolute Soulstadt“ gewesen, bekennt sie nach dem aufbrandenden Applaus, Tränen im Auge, und bedankt sich für das erste ausverkaufte Konzert der Tour, sechs Jahre nach dem Vorgängeralbum „Maureen“. In der Zwischenzeit habe sie ein fertiges Album verworfen. Es habe sich nicht richtig angefühlt – „wisst ihr, was ich meine?“, fragt sie, wie noch öfter an diesem Abend, wenn sie von Lebensphasen und den sie begleitenden Emotionen erzählt.

Was sie verkörpert

Sie müsste es nicht fragen, denn irgendwer ist immer angesprochen, von dem, was sie sagt, was sie besingt, was sie so umwerfend schön, sympathisch, ehrlich anmutend verkörpert. „Du hast ’ne Frau in mir, ’n Freund in mir, ’ne Schwester in mir, ’n Homie in mir“, hatte sie schon 2002 gesungen in „Was auch immer“, das wie auch „Im Ghetto von Soweto“ als erster der eher sparsam eingestreuten alten Hits auf große Wiedererkennungsfreude stößt. Joy Denalane kann in einem Moment ihre Mutterrolle besingen, im nächsten lockende Liebesschwüre stammeln oder ihre Zuneigung zum HipHop bekennen. Sie schafft es, mit einer Hymne an ihre fünfjährige Nichte „Elli Lou“ das tanzbarste Stück des Abends zu liefern und erst ihren Sohn liebevoll in die Freiheit zu entlassen („Jetzt willst du alles, nur nicht vorsichtig sein“) und dann im Club ein Schlaflied anzustimmen, jenes „Kinderlied“, das so besonders rührte, als sie es einst unplugged sang – hochschwanger.

Zum ersten Abschied wirft sie ein Bild ihrer Eltern an die Wand, erzählt vom Alltagsrassismus, der sie als schwarze Deutsche immer wieder trifft und singt sich zu Akustikgitarrenklängen in die Fußstapfen ihrer verstorbenen Mutter: „Zuhause“. Und auch die lange Zugabe birgt noch einen Höhepunkt, als die Sängerin für die „1ste Liebe“ Ehemann Max Herre auf die Bühne ruft. Den Kuss, den diverse anzügliche Zwischenrufer sich den Abend über ersehnten, erhält nur er, den sie dann mit einem Ständchen wieder in seinen Geburtstag entlässt.

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