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Oper Frankfurt

Alles fließt

  • VonBernhard Uske
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Tristan Murail ist Gast der Frankfurter Neue-Musik-Reihe „Happy New Ears“. Ziemlich retrospektiv, aber die Saison ist ja noch jung.

Fern, alt und rituell – wenn die Kreativspeicher der Avantgarde erschöpft sind, lohnt sich der Blick in die Weiten des Ostens und Südens. So war das bei Debussy und Strawinsky mit ihren asiatisch-sibirischen Idiomen, bei Boulez und Stockhausen mit den balinesischen Gamelan-Klängen, und dann kam asiatischer Obertongesang.

Tristan Murail, Exponent des französischen Spektralismus, war Gast bei den Happy New Ears in der Oper Frankfurt und stellte zuletzt sein 1994 vollendetes Werk „L’Esprit des dunes“ für 11 Instrumente und Elektronik vor. Aus asiatischen Mönchs-Intonationen mittels Computer ausgelesene Obertonsprektren, die sich im abendländisch instrumentalisierten Ensemble Modern unter der souveränen Leitung Jean Deroyers als Motivgrundlage plus Lautsprechereinspielung bestens machten.

Ursprünglich hatte die spektralistische Musik, wie der 74-jährige Murail seinem Gesprächspartner Lukas Haselböck aus Wien verriet, Abstand zum seriellen Konstruktivismus gesucht und mit Timbrevariabilitäten und Mutationen von Tönen und Geräuschen komponiert. „Mémoire / Erosion“ für Horn und neun Instrumente, 40 Jahre alt, war Beleg für den damals neuartigen Ismus innerhalb der avantgardistischen Konfessionen, hier brillant von Solo-Hornist Saar Berger gespielt.

Spektralismus: Das klang immer etwas nach sublimiertem Varèse, nach Ligetis Klangwolken oder Scelsis Mikrotonlichkeit. Heute könnte man vielleicht von transakustischer Prozessualität reden. Bitte kein vertrautes Idiom und keine Klangrhetorik: vom „Sinn der Klänge in der Syntax“ war die Rede und von „Logik“. Ans „happy ear“ kam statt dessen eher eine Botschaft à la Heraklit: alles fließt. Und: alles ist redundant, denn Haselböck bot manchmal nach der englischen Komponistenauslassung eine Übersetzung in allseits reduzierter Sprache.

Das Mittelstück war das jüngste Werk, auch zehn Jahre alt: ein Duett für Klarinette und Violine „Les Ruines circulaires“, wo sich Klangfiguren durchaus vertrauter Formatierung ineinander verschlingen. Ein Rückfall in alte Zeiten oder artistische Parodie? Jedenfalls wurde auch bei dieser Happy-New-Ears-Ausgabe wieder weniger auf neu als auf retrospektiv gesetzt. Die Namen der nächsten Termine – Saed Haddad, Enno Poppe, Carola Bauckholt – lassen hoffen.

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