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Mit Schwung und Ventilator: KIm Wilde.

Kim Wilde in der Batschkapp

Mit Alien-Saft durchs All

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Die ewig junge Kim Wilde auf Zwischenlandung in der Frankfurter Batschkapp.

Wenn wir uns kurz erinnern möchten: 2009 schwebt ein Ufo durch Kim Wildes Garten in der Grafschaft Hertfordshire nahe London. Kim vermutet zweierlei: Entweder wollen die Außerirdischen sie entführen und zwingen, bis in alle Ewigkeit „Kids in America“ zu singen – oder es handelt sich bei dem unbekannten Objekt um den kurz zuvor verstorbenen Michael Jackson, „der kommt, um mich heimzusuchen“, wie sie dem britischen Qualitätsmedium „Express“ Jahre später anvertraut.

Nun, beide Varianten erscheinen gleichermaßen plausibel, aber vor allem inspirierte das Himmelsding den blonden Superstar der 80er Jahre zu einem bemerkenswerten Comeback. Mit ihrem Album „Here Come the Aliens“, veröffentlicht in diesem Frühjahr, ist Kim Wilde gerade auf Tournee, jüngst auch in der Frankfurter Batschkapp.

Dort erreicht das Wiedersehen beim fünften Lied, „Cambodia“ (1981) einen ersten Stimmungshöhepunkt nach einigen alten und neuen Hits der mittleren Kategorie. Der Saal ist randvoll, die Leute sind spürbar zum Platzen partybereit, um diesen Abend zu etwas Überirdischem zu machen.

Kim Wilde, 57, befindet sich mit ihrem Mikrofonständer im Luftstrom eines Ventilators, der ihr die Aura einer schwebenden Erscheinung verleiht – das güldene Haar, die Fransen ihres Bühnenjäckchens, alles umweht sie, und so auch der Hauch der Popgöttin. Ein wenig ist sie immer noch das junge Ding von damals, etwas mickymausig in der Stimme, zugleich etwas muttihaft in der Anmutung, begeistert von der Musik, die sie umgibt.

Auf der Bühne umgeben sie gleich zwei Schlagzeuge mit zwei gleichzeitig Schlagzeugenden (m/w), ein Keyboarder, Bass, zwei Gitarristen, darunter ihr Bruder Ricky, und ihre Nichte Scarlett als zweite Stimme. Gute Leute allesamt, aber leider muss man dem Mischer sagen: Der Sound ist Müll. Weltraumschrott sozusagen. Mumpfig in den Tiefen und ohrenzerfetzend in den Höhen. Dafür ist die Lightshow top – und die Magie: intergalaktisch.

Das Ganze wirkt, als wäre etwas aus tiefer Vergangenheit weit in die Zukunft gereist und dann hier bei uns gelandet – vertraut und doch irgendwie unheimlich. Vielleicht ist es die britisch-schrill zur Schau getragene Jugendlichkeit der Frau im knappen schwarzen Space-Anzug. Bisschen was halbwegs Erwachsenes wäre halt schön gewesen. Das kommt dann ganz am Ende: Ob sie befremdet sei von all den Aliens, mit denen sie zu tun gehabt habe? Nein, sagt sie, sie mache sich eher Sorgen wegen der Menschen.

Absolute Stimmungskanonen: „Chequered Love“ (1981), „You Keep Me Hangin’ On“ (’86, jeweils mit fulminantem Publikumseinsatz in den Uuuuhuuuhuuu-Teilen) und als zweite Zugabe „Kids in America“ (’81). Schade: Die englische Version von „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ (2003) hätte sie ruhig noch singen können, wenn sie schon mal hier ist, unseretwegen auch ohne Nena. Na, vielleicht nächstes Mal.

Was übrigens gut gegen Erkältung hilft: „Alien Juice“, empfiehlt die weitgereiste Sängerin und schlürft einen Schluck Zaubersaft aus der Alien-Tasse. Oder man steht halt nicht jeden Abend direkt vorm Ventilator.

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