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Alicia Walter.
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Alicia Walter.

„I am Alicia“

Alicia Walter „I am Alicia“: Die Odyssee ist das Ziel

  • VonStefan Michalzik
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Alicia Walters Soloalbum „I am Alicia“ ist ein eklektizistisches Feuerwerk.

Einesteils handelt es sich bei dem irrwitzig kaleidoskopisch verwirbelten Genregemisch auf „I Am Alicia“, dem Solodebüt der in New York lebenden Musikerin Alicia Walter, um höchst avancierte Popmusik – zugleich ist das so zugänglich und unkompliziert, dass auch ein Mainstreampublikum daran Gefallen finden dürfte. Vor ungefähr zehn Jahren hatte Walter, seinerzeit noch in Chicago ansässig, die Band Oshwa gegründet, mit der sie auf den Pfaden des Art Rocks unterwegs war. Die Musik war grandios verstiegen. Ansätze davon sind zwar auf ihrem ersten Album unter eigenem Namen wiederzuerkennen, und doch handelt es sich um eine Neuerfindung ihrer selbst. Als Grundpfeiler für dieses eklektizistische Feuerwerk mit seiner Fülle von pophistorischen Querverweisen dient der Discofunk, er sorgt für ungeahnten Popappeal.

Ein hibbeliger Beat

Walter zeigt sich hier nicht zuletzt auch als Meisterin der musikalischen Überschreibung. Wieder und wieder gibt es Effekte des Wiedererkennens von Sounds, Melodien und Rhythmen aus dem Fundus der Popgeschichte. Das einleitende „Prelude“ wird bestimmt von einem hibbeligen Latinhousebeat. Eine Passage in ,,House of Yes“ erinnert an die furiose, von Rap und zackig perkussiven Rhythmen geprägte New-Wave-Nummer „Wordy Rappinghood“ (1982) von Tom Tom Club, dem Nebenbeiprojekt der Eheleute Tina Weymouth und Chris Frantz von den Talking Heads. Der Sound der Tom-Tom-Club-Nummer klingt in anderer Art, in Elektropop-Manier, in „Talking to Myself“ erneut an. „Suit Yourself“ ist eine offenkundige Paraphrase des überschwänglichen Prince-Hits „Kiss“ (1986).

Das Album

Alicia Walter: I am Alicia. Sooper Records/Cargo/375 Media.

Und so geht es weiter: „Standing at Your Doorstep“ hat etwas vom Groove von The Jackson Five in „I Want You Back“. Das Intro von „I Feel You“ rekurriert auf den Wave-Hit „Coitus Interruptus“ (1980) von Fad Gadget. Immens die Bandbreite des Umgangs mit der menschlichen Stimme, von der A-cappella-Nummer im Doo-Wop-Stil („Just a Little“) über ein „weibliches Falsett“ („Standing At Your Door-step“) bis zur chorischen Auffächerung. Die soulige Stimme von Walter präsentiert sich so tough wie gefühlswarm.

In seiner prallen Buntheit erinnert das Album an eine Broadway-Musicalrevue. Alles wirkt straff, es ist getragen von Verve und Eleganz. Produziert hat Devin Greenwood, der schon für Norah Jones und Sufjan Stevens arbeitete.

Die Poetik Andersons

Am Beginn des Titelsongs, er schließt das Album ab, steht eine Sequenz, die sich auf die erzählerische Songpoetik Laurie Andersons bezieht, den charakteristischen Einsatz des Vocoders inbegriffen.

Walter spricht mit Blick auf ,,I Am Alicia“ von einer „Heldenreise durch das Unbewusste, angetrieben von meinem Wunsch zu erfahren, wer ich im Inneren bin und was ich in diesem Leben im Außen tue“. Gleich nun, ob es an dieser heroischen Anstrengung gelegen haben mag oder an einer manisch detailversessenen Feinschliffarbeit – jedenfalls berichtet sie von einem Burnout während der Entstehung, woraufhin es ein weiteres Jahr bis zur Fertigstellung gebraucht habe. Das Resultat hört sich nach einer gelungenen Selbstfindung auch im musikalischen Sinne an – so dass es den Anschein hat, als sei die Odyssee das Ziel.

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