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Alice Cooper.
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Alice Cooper.

Neues Album

Alice Cooper: „Detroit Stories“ – Bloß nicht aufgeben

  • VonMichael Schleicher
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Alice Coopers heftig rockendes und ermutigendes Album „Detroit Stories“.

Wenig wissen wir über Jenny. Recht fad muss ihr Leben früher gewesen sein. Die Eltern hatten zwei Fernseher, zwei Autos – aber der Alltag war trotzdem (deswegen?) zum Sterben langweilig. Lou Reed erzählt in einem Song von der jungen Frau, die sich erinnert, wie sie mit fünf Jahren zufällig das Radio eingeschaltet habe und – „her life was saved by Rock’n‘Roll“. Nach diesem Lebensretter betitelte Reed (1942-2013) denn auch das Lied, das erstmals 1970 auf dem Album „Loaded“ seiner Band The Velvet Underground zu hören war.

Jetzt ist Jenny wieder da. Statt in New York wie im Original lebt sie nun in Detroit, doch die Rockmusik hat in den zurückliegenden 51 Jahren nichts, aber auch gar nichts von ihrer Kraft verloren. Alice Cooper interpretiert die Reed-Nummer und eröffnet mit „Rock & Roll“ sein neues Album, das heute erscheint. „Detroit Stories“ ist eine Verneigung des Künstlers, Jahrgang 1948, vor seiner Geburtsstadt in Michigan und vor deren kreativ brodelnder Musikszene.

„Detroit war wirklich der Ort für Heavy-Rock“, zitiert die Plattenfirma den 73-Jährigen. „Im Eastown Theatre zum Beispiel konnte man an einem Abend Alice Cooper, Ted Nugent, The Stooges und The Who sehen, und das alles für vier Dollar! Dann am nächsten Wochenende im Grande standen MC5, Brownsville Station und Fleetwood Mac auf der Bühne oder auch Savoy Brown und die Small Faces. Als Softrock-Band hatte man da echt nichts verloren.“

In der Nummer „Detroit City 2021“ erinnert er an die Helden und die Heldin von einst, an Iggy Pop, David Bowie, Bob Seger (dessen „East Side Story“ Cooper umwerfend covert) und an Suzi Quatro: „Play it like today might be your last.“ Spielt, als wäre heute euer letzter Tag.

Das Album

Alice Cooper: Detroit Stories. Ear Music.

Nichts da! Das Album bleibt nämlich nicht im Vergangenen stecken, sondern zieht daraus Kraft fürs Heute. Das macht „Detroit Stories“ zu einem mitreißenden Werk. Cooper, der als Vincent Damon Furnier geboren wurde, hat mit Musikerinnen und Musikern aus seinem Geburtsort zusammengearbeitet. Die Stadt im Norden der USA hat in den vergangenen Jahre schmerzhaft unter dem Strukturwandel in der Autoindustrie gelitten. Cooper übersieht das nicht und berichtet in „Social Debris“ davon. Am Ende von „Don’t give up“ – der Titel ist Programm – gibt er die Detroiter Nummer durch, unter der Suizidgefährdete Hilfe erhalten. Dem Mann liegen seine Heimat und ihre Menschen wirklich am Herzen.

Neben lokalen Größen waren für „Detroit Stories“ prominente Gastmusiker im Studio. U2-Schlagzeuger Larry Mullen Jr. („Shut up and rock“) etwa oder auch der Bluesrock-Gitarrenhexer Joe Bonamassa. Letzterer macht zusammen mit Garrett Bielaniec, der eigentlich bei The Rockets aus Detroit spielt, aus „Drunk and In Love“ eine herrlich langsam verstolpert-verschleppte Bluesnummer über die wenig erfreulichen Folgen der Trunkenheit: „I’m trying to stand“ singt Cooper und spielt die Harp, als käme er aus dem Mississippi-Delta.

Harter Rock, feine Gitarre

Produziert hat die Platte Bob Ezrin. Der Kanadier arbeitet seit „Love It To Death“ (1971) regelmäßig mit Alice Cooper zusammen; damals hieß so noch die Band, deren Sänger Furnier war. Beide verknüpfen schnellen, rauen Hardrock, der getrieben ist von feiner Gitarrenarbeit und auf einem soliden, satten Fundament fußt, für das Johnny „Bee“ Badanjek am Schlagwerk sorgt, mit Ausflügen in benachbarte Stile. Da sind immer wieder die Bezüge zum Blues. Eh klar, ohne den gäbe es schließlich den ganzen Spaß nicht. Da geht aber auch der Punk ab („Go Man Go“), da groovt der Soul: In „1000 $ High Heels Shoes“ orgelt die Hammond, sorgen die Motor City Horns für lässige Bläsersätze, während die Sängerinnen von Sister Sledge die Nummer funky funkeln lassen. Mitschnippgarantie.

Rock’n’Roll kann Leben retten. Selbstverständlich. Nicht nur Jenny weiß das. In der Musik liegt jedoch auch ein enormer Trost. In dem Titel „Wonderful World“ singt Alice Cooper: „You’re only human ... it’s okay“. Wir alle sind nur Menschen. Und das passt so.

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