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Die drei von International Music. Foto: Harriet Meyer
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Die drei von International Music.

Neue Alben

Alben von International Music und Ja,Panik: Sie kaufen sich ein neues Glas Pop

  • VonTim Gorbauch
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Apokalypse oder Revolution: Frische Alben von International Music und Ja, Panik

Zum Neujahrstag 2021 erschien die erste Single von Ja, Panik nach sieben Jahren musikalischer Stille. Und sofort war er wieder da, der raunende, hoch assoziative, leicht verschleppte Klangraum, dazu der eigensinnige, wie immer zwischen Englisch und Deutsch virtuos mäandernde Sprechgesang Andreas Spechtls: „Es hat sich ewig versteckt, jetzt ist es da und stellt Fragen. Du wirst die Antwort verfluchen: Apocalypse or Revolution“.

Musik auf der Höhe der Zeit

Allen, die sich Pop nur als kritischen Gegenwarts-Diskurs vorstellen können und wollen, muss da ein Stein vom Herzen gefallen sein: Ja, Panik sind zurück. Endlich wird Musik wieder auf der Höhe der Zeit verhandelt, so wie 2008 mit „The Taste and the Money“, 2009 mit „The Angst and the Money“ oder 2011 mit der Überplatte „DMD KIU LIDT“, also: „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“ – „das eigenständigste, poetischste, ja modernste Rock’n’Roll-Album, an dem sich deutsche Sprache je beteiligen durfte“, wie es das Intro-Magazin, das es längst nicht mehr gibt, damals schrieb.

Die Alben

Ja, Panik: Die Gruppe Ja, Panik. Bureau B.

International Music: Entenraum. Staatsakt.

Nun ist auf dem Hamburger Label Bureau B ein ganzes Comeback-Album erschienen, „Die Gruppe Ja, Panik“. Es liegt verlockend nahe, die elf Songs als Kommentar zur Pandemie und unserem Umgang damit zu hören, doch der Großteil der Texte ist in den Jahren zuvor entstanden. Die Songs selbst wirken freier, amorpher, flächiger. Ihre Struktur entsteht förmlich vor unseren Ohren. „Ein großes Thema der Platte“, sagt Spechtl dann auch, „ist die Suche. Nach einer Sprache, einem Umgang miteinander.“

Und obwohl Spechtl an einer Stelle einen Chor singen lässt: „The only cure from capitalism is more and more and more capitalism“ – die Zeit der Gewissheiten und Manifeste ist vorbei. In einer Welt, die vollgeballert ist mit Antworten, bleiben Ja, Panik diesmal sphärisch und vage, „ohne die Jugendschläue von früher“, wie Spechtl das selbst beschreibt. Dafür darf manchmal ein Saxofon den Raum erobern, ganz unironisch und verspielt und manchmal auch überraschend kraftvoll.

Peter Rubel, Pedro Goncalves Crescenti und Joel Roters von International Music war das existentialistische Pathos von Ja, Panik trotz aller Sympathie immer fremd. Sie spielen viel lieber mit der Sprache und kleben Worte aneinander, die gut miteinander gehen. Das klingt dann so: „Wenn ich wüsste, was in dieser Kiste ist, küsste ich, dich, den Fürst von Metternich“. Oder: „Heute kauf ich mir ein neues Glas Marmelade, heute kauf ich mir n neuen Rock, kauf ich mir n neuen Pop. Heute kauf ich mir n neues Glas Pop, ja!“

Die Musik dazu ist schlicht fantastisch. Alles liegt da, wie ein Steinbruch, aus dem man für jeden einzelnen Song so viele Brocken raushaut, wie man eben tragen kann: Psychedelic, New Wave, die Byrds, Krautrock, Palais Schaumburg, Velvet Underground, Spiritualized, David Bowie, Talk Talk. Die eklektische Unübersichtlichkeit ist Methode. International Music haben einen aberwitzig großen Referenzraum, und doch ist ihr Sound völlig eigen, ohne jedes Vorbild: vertraut und verschlüsselt, verschroben und catchy zugleich.

„Ententraum“ heißt das zweite Album von International Music, das gerade beim Berliner Label Staatsakt erschienen ist. Der Kneipengeruch des unglaublich erfolgreichen Debütwerks „Alle Jahre wieder“ ist verschwunden, die Liebe zum Surrealen dagegen gewachsen. Es ist, was die Band selbst verspricht: „Ein Konzeptalbum voller Hits für hochkomplizierte Zeiten“. Oder, um es mit den Worten von Stephan Rehm Rozanes im „Musikexpress“ zu sagen: „bumm! International Music, schon wieder meine Platte des Jahres!“

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