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Alben in pastelligen Tönen

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Justin Vernon.
Justin Vernon. © AFP

Neue Musik von Wilco und Bon Iver alias Justin Vernon passt wunderbar in den Herbst. „Schmilco“ bietet Aquarell, „22, A Million“ dagegen verblüffende Computerverfremdung.

Von Frank Junghänel

Insgesamt gesehen hätte das gut und gerne ein Doppelalbum werden können. Die zwölf Songs von Wilcos „Schmilco“ sind bei denselben Session entstanden wie auch die Stücke auf der LP „Star Wars“, die vor genau einem Jahr erschienen ist. Mit jeweils knapp vierzig Minuten Spielzeit hätte das längenmäßig perfekt gepasst und auch dramaturgisch wäre es zu machen gewesen. Schon einmal, 1996, hatte die Band aus Chicago ihr vielschichtiges Repertoire aus Rocksongs, akustischen Nummern und Soundeffekten sehr stimmig auf zwei Platten versammelt. „Being There“ wurde dann so etwas wie das künstlerische Manifest von Wilco, dem ein grandioses Werk folgen sollte. Diesmal, acht Platten und tausend Lobhudeleien später, entschied sich Mastermind Jeff Tweedy für die separate Veröffentlichung des Materials. Nach dem krachigeren „Star Wars“ folgt das introspektive „Schmilco“, wie gemacht für den Herbst. Das Album (im wahrsten Sinne) beinhaltet schöne Aquarelle in pastelligen Tönen, es ist eine unaufgeregte und auch unauffällige Produktion. Tweedy singt von seinen Erinnerungen an die Kindheit, von seiner Familie, von Amerika. Und wenn man sich manchmal fragt, wie John Lennon heute wohl klingen würde, bekommt man hier eine mögliche Antwort.

Eine Neuerfindung Der Musiker Justin Vernon ist viel besser bekannt unter dem Künstlernamen Bon Iver, auf „22, A Million“ – seinem erst dritten Album seit dem fabelhaften Debüt „For Emma, Forever Ago“ aus dem Jahr 2007 und dem ersten eigenen Werk seit fünf Jahren – überrascht er mit einem künstlerischen Konzept, das beim ersten Hören absolut verstörend ist – und beim zweiten dann absolut verblüffend. Der Mann, der mit seinem entrückten Falsettgesang seine Signatur im Fusselbart-Folk gefunden hat, lässt nun ausgerechnet diese markante Stimme auf dem neuen Album computertechnisch verfremden. Das wundert einen allerdings nicht mehr so sehr, wenn man sich daran erinnert, dass er seit einiger Zeit schon mit dem Elektro-Vokalartisten James Blake zusammenarbeitet. Frank Junghänel

Wilco: Schmilco. Anti.

Bon Iver: 22, A Million. Jagjaguwar.

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