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Aki Takase und Daniel Erdmann. Foto: Dirk Bleicker
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Aki Takase und Daniel Erdmann.

Neues Album

Aki Takase und Daniel Erdmann: „Isn’t It Romantic?“ – Erinnerungen an eine Kreuzung

  • VonHans-Jürgen Linke
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Aki Takase und Daniel Erdmann im Duo: Ist es nicht romantisch?

Einfach schön, bei dieser Musik genau hinzuhören.

Moment mal: Einfach? Schön? Das will erklärt werden. Daniel Erdmann, Saxofone, ist schließlich kein melodienseliger Schönspieler, sondern Erfinder raffinierter Klänge und rauer, beziehungsreicher und gern auch mehrdeutiger Linien. Und der Pianistin Aki Takase fehlt jeglicher Hang zur Vereinfachung und zu dahinplätschernder Gefälligkeit, statt dessen agiert sie geistesgegenwärtig, oft unvorhersehbar, witzig und auch mal kontrovers. Mit anderen Worten: Das Schöne an dieser Musik resultiert nicht aus Harmoniebedürfnis und Traditionsbindung, sondern aus Raffinesse und Reibung, aus eigensinnigen Wegen im Zusammenspiel.

Trotzdem: Wie schön, wenn Daniel Erdmann durch die Artikulationsgeschichte des Tenorsaxofons streift, eine Klanggebung nach der anderen durchspielt und auskostet, keine Phrase so beendet, wie er sie angefangen hat – und dabei ein geschlossenes und emotional intensives Gebilde nach dem anderen produziert. Ach, und einfach wunderschön, wie Aki Takase mit Zufällen jongliert, bremst und beschleunigt, Zwischenräume sucht und findet und dann die Initiative an sich zieht, wie ihre rechte Hand einzelne Töne kantig und polyrhythmisch dahinperlen lässt und dann mit Nachdruck und beidhändiger Anschlags-Wucht zu einem anderen Ufer davonstürmt.

Das Allerschönste aber ist, wie die beiden dabei nahe beieinander bleiben. Manchmal liegt das an den Kompositionen, die Koordinationsleistungen verlangen. Manchmal klingt es auch nach gedankenschneller Konsensbildung als Konsequenz einer gemeinsamen Wellenlänge. Und immer kommt davor und danach etwas anderes. Beide haben zur Gesamtgestalt des Albums je sechs Kompositionen beigetragen, das letzte Stück stammt von Richard Rogers und bohrt ein wenig in der Jazzgeschichte.

Das Album

Aki Takase / Daniel Erdmann: Isn’t It Romantic? BMC Records.

Die Entstehungsgeschichte des Albums ist komplex – es ist keine einfache Gehen-Wir-Mal-Ins-Studio-Erzählung, sondern eine coronatypisch komplizierte Kooperation zwischen Reims, wo Daniel Erdmann lebt, und Berlin, dem Wohnsitz Aki Takases: gemeinsame Proben nach präziser Verabredung in digitaler Fern-Kommunikation. Und dann ein kleines gemeinsames Zeitfenster zum Reisen und für drei Studio-Tage in Budapest im vergangenen Sommer.

Dass beide sich seit vielen Jahren kennen, dass Daniel Erdmann bei Aki Takase studiert hat und beide in mehreren Besetzungen, sogar auch schon im Duo, ausgiebig zusammengearbeitet haben, gehört zu den Voraussetzungen dieser speziellen Aufnahmen.

Er denkt an die Fahrstunden

Die Geschichten, die die Titel andeuten, sind vertraulich-alltagsgesättigt und stecken voller Erinnerungen, aber sie liefern keinerlei Festlegung zum Verständnis der Musik. So genau man auch hinhört, wird man zum Beispiel keinen Verweis auf eine bestimmte Verkehrssituation entdecken in dem Stück „An jeder Kreuzung liegt eine Erinnerung begraben“, das Daniel Erdmann gleichwohl mit Erinnerungen an seine Berliner Fahrstunden verknüpft.

Aber es ist einfach schön, hier genau hinzuhören. Nichts Erwartbares zu entdecken und gerade darum umso weniger enttäuscht und umso reicher belohnt zu werden.

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