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Die kanadische Musikerin Loreena McKennitt.
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Die kanadische Musikerin Loreena McKennitt.

Loreena McKennitt

Ätherischer Sopran aus Manitoba

  • VonVolker Schmidt
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Folksängerin Loreena McKennitt in der Alten Oper Frankfurt.

Romantisch flackern die Kerzen in den Kandelabern auf der Bühne der Frankfurter Alten Oper. Ihr Schein verleiht Loreena McKennitts Wallemähne den Schimmer präraffaelitischer Gemälde. Wie jenes Kunstphänomen, das die industrielle Revolution mit Feenfantasien konterte, trotzt die Kanadierin mit Keltensehnsucht und Mystizismus dem digitalen Zeitalter. Anfang der 90er Jahre war McKennitt so etwas wie die akustische Enya, konnte aber später nicht mehr an die Erfolge ihrer Alben „The Visit“ (1991), „The Mask and Mirror“ (1994) und „The Book of Secrets“ (1997) anknüpfen. Ihre treuen Anhänger mussten sich mit Live- und Best-of-Kompilationen, Vinyl- und De-Luxe-Box-Sets zufriedengeben. Auch die aktuelle Europa-Tour – die erste seit fünf Jahren – beruht zum großen Teil auf altbekannten Songs.

Die reduzierte Trio-Besetzung knüpft an das immerhin Grammy-nominierte Album „Troubadours on the Rhine“ an, Mitschnitt eines 2011 in Mainz aufgenommen Radiokonzerts. McKennitt begleitet ihren ätherischen Sopran an Harfe und Klavier, hinzu kommen Gitarrist Brian Hughes und Cellistin Caroline Lavelle. Gelegentlich tritt ein Geiger aus den Kulissen. Es fehlen die exotischen Instrumente, die den Studioalben zusätzliche Farbe geben und die von der in Manitoba geborenen Musikerin mit den irisch-schottischen Wurzeln so gern propagierte Internationalität des Keltentums transportieren.

Dafür flauscht die E-Gitarre oft wie ein Wohlfühl-Flokati aus der Ambient-Abteilung. Transparenter bleibt der Klang, wenn Hughes zu Bouzouki oder Akustikgitarre greift oder mit Verzerrer dekorative Kanten in den Kuschelsound fräst. Meist bleibt es dem Cello überlassen, raue Rhythmik und druckvolle Riffs beizusteuern. Auch an Flöten und Handharmonika verbreitert Lavelle das Ausdrucksspektrum.

McKennitt plaudert mit Irland-Anekdoten und historischen Häppchen durchs Programm. Ihre Singstimme hat in den Tiefen an Reife gewonnen, die Höhen sind druck- und klangvoll wie eh und je. Gern vertont sie Gedichte britischer und irischer Klassiker wie Robert Dwyer Joyces „Wind That Shakes the Barley“, William Butler Yeats’ „The Two Trees“ und Alfred Tennysons „Lady Of Shalott“.

Vielleicht liegt es ja an der von McKennitt gefürchteten „digitalen Demenz“ unserer Tage, dass mancher Song ein, zwei Strophen zu lang geraten scheint. Vielleicht aber auch am eher begrenzten Vorrat an harmonischen Wendungen. Romantisch flackern die Kerzen. Brennen aber in drei Stunden Konzert kein bisschen runter. Doch nur elektrischer Schein.

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