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Adrian Younge.
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Adrian Younge.

Adrian Younge

Adrian Younge „The American Negro“: Geschichte ist eine Waffe

  • vonStefan Michalzik
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Der HipHop-Produzent Adrian Younge und sein Album ,,The American Negro“.

Das ist ein Manifest, mit einer klaren Botschaft. „The American Negro“ von Adrian Younge ist ein Konzeptalbum. Es ist stark im Einsatz von musikalischen Mitteln zwischen Soul und Jazz, und es fußt auf einem wohlinformierten Geschichtsbewusstsein. „History is a weapon“, stellt ein Sprechchor zum Schluss hin fest.

Bislang ist Adrian Younge vor allem als Hip-Hop-Produzent, unter anderem für Kendrick Lamar, Jay Z und den Wu-Tang Clan in Erscheinung getreten, und er hat Soundtracks wie jenen zu Scott Sanders Blaxploitation-Hommage „Black Dynamite“ (2009) geschrieben. Nun setzt er zu seinem opus magnum an – zumindest bis dato: Zusätzlich zu dem Album gibt es einen Film, von Younge selbst gedreht, sowie den mehrteiligen Podcast „Invisible Blackness“, unter anderem mit dem Rapper Chuck D von Public Enemy. Durchweg dreht es sich um die Geschichte von Rassismus und Sklaverei in den USA und deren Kontinuität in der Gegenwart. Wissen zu vermitteln, hat Adrian Younge gesagt, das sei es, worum es ihm gehe. Rassismus ist ein kulturelles Konstrukt, das ist die Grundthese. Menschlichkeit, so die scheinbar naive Botschaft, ist das Gegengift.

Fast alle Instrumente auf diesem Album hat Adrian Younge selbst eingespielt, auch die geschmeidige Erzählerstimme auf den gesprochenen Nummern, die in einem stetigen Wechsel mit den Songs stehen, geht auf ihn selber zurück. Ein Proseminar? Nein, das Ganze wirkt ziemlich popsüffig, nicht zuletzt auch, weil sich immer wieder ein Sprechchor mit Einwürfen meldet. Zu einem Gutteil werden auch die Songs chorisch gesungen, oder zumindest doch wird der Gesangssolist chorisch eingepackt.

Das Album:

Adrian Younge: The American Negro. Jazz is Dead/Indigo.

Mit einigen der Songs erinnert Adrian Younge an Opfer der Sklaverei, wie etwa Margaret Garner, die fliehen wollte, um in Freiheit zu leben. Als die Häscher sie aufspürten, tötete sie ihr Baby, weil sie nicht wollte, dass es in Unfreiheit leben muss. „We can’t live this way/We can hardly stay“, heißt es in „Watch the Children“; die Nummer ist mit spacigen Sounds wie aus einem Blaxploitation-Soundtrack unterlegt.

„So natürlich, wie es geht“

Die musikalischen Texturen sind mal orchestral dicht, dann wieder ist ein Song ganz karg instrumentiert und etwa vor allem vom elektrifizierten Bass oder einem drängenden Spiel des Schlagzeugs geprägt. Sein Studio in Los Angeles hat Adrian Younge mit viel analogem Equipment aus den fünfziger und sechziger Jahren eingerichtet. „Alles so natürlich, wie es nur irgend geht“, hat er einmal sein Credo als Produzent formuliert.

„James Baldwin hooked up with Marvin Gaye“: derart charakterisiert Younge sein Vorhaben selbst. Auch fühlt man sich erinnert an den Anspruch von Public Enemy, demzufolge Rap das CNN der Schwarzen ist – hier eingelöst mit anderen musikalischen Mitteln. Alles zusammen, die Songs wie auch die Sprechszenen, ist von betörender Schönheit. Es macht sie auch mit aus, dass das kämpferische Moment eben nicht in ihr untergeht.

„Das Pendel des Fortschritts“, heißt es in „Race Is a Fallacy“, „ist immer mit Regression verbunden/Ein Ort der ewigen Hölle, mit dem uns auseinanderzusetzen wir gezwungen sind/Aber das werden wir niemals akzeptieren“. Es gehört nicht viel dazu, zu prophezeien, dass dieses Album einmal als eines der wichtigsten im Soundtrack zur Black-Lives-Matter-Bewegung in Erinnerung bleiben wird.

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