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Jazz

Ack van Rooyen „90“: Friedlicher Spätsommer

  • vonHans-Jürgen Linke
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Ack van Rooyens Album „90“ zum schon etwas zurückliegenden Geburtstag.

Der Klang ist vertraut: ein fester, voluminöser, dabei betörend weicher Ton, auch in schnellen Passagen, in denen seit je diese bestechende Leichtigkeit und Flüssigkeit auffällt. Und stets klingt das alles ein wenig melancholisch – aber das kann eine Projektion sein, die von Nostalgie genährt ist. Nostalgie stellt sich fast von allein ein, zumindest unter den älter gewordenen Hörern des guten alten United Jazz + Rock Ensembles. Wer zu diesem Kreis gehörte, erkennt Ack van Rooyens Flügelhornspiel wahrscheinlich sofort. Es ist immer das Flügelhorn, in dessen Klang die Untertöne eine stärkere Rolle spielen, und nie die Trompete, die meist ein bisschen enger und schärfer klingt.

Weil Ack van Rooyen seit je auf metallisch strahlende high notes verzichtet hat, musste er seinen Stil auch nicht dem fortschreitenden Alter anpassen. Das ist mittlerweile ein durchaus stolzes: seinen 90. Geburtstag, nach dem sein aktuelles Album benannt ist, konnte er am 1. Januar 2020 feiern. Die lässige Unpünktlichkeit im Erscheinungstermin seines Albums ist aber verzeihlich.

Ack van Rooyen hat am Konservatorium seiner Heimatstadt Den Haag klassische Trompete studiert und wurde zunächst Mitglied des Sinfonieorchesters von Arnhem. Aber das ist lange her. Ab 1953 war er als zunehmend gefragter Studiomusiker und Mitglied von Bigbands in ganz Europa unterwegs, in Paris, Berlin, Stuttgart. 1975 gehörte er zu den Gründern des legendären United Jazz + Rock Ensembles, wo neben ihm der kanadische Trompeter und Flügelhornist Kenny Wheeler zu hören war, der 2014 starb. Von dem stammt das Stück „Canter No. 1“, mit dem das Album beginnt. Und der Titel „En Yndig Og Frydeful Sommertid“ ist eine Erinnerung an den dänischen Bassisten Niels-Henning Ørsted Pedersen, mit dem van Rooyen häufig gespielt hat.

Das Album:

Ack van Rooyen. 90. Jazzline/Broken Silence.

Melancholische Farben

Dass das Album insgesamt – trotz des karnevalesken „D’r lange Jan“ – eher einen beschwingten Straight-Ahead-Jazz mit melancholischen Farben pflegt, wird niemanden verwundern; das entspricht einfach seit je dem Temperament des Jubilars.

Die Band, mit der er das Album eingespielt hat, ist ein Sextett aus je drei Niederländern und drei Deutschen. Sie alle sind schon längere gemeinsame Wege mit van Rooyen und miteinander gegangen. Und wenn man sich die Geschichte des Repertoires vergegenwärtigt, gerät man ein ums andere Mal und jedes Mal ein bisschen tiefer in die älteren Zeiten und in ein wunderbar reiches Gestrüpp aus wohlklingenden Namen des europäischen Jazz: Das waren die goldenen Jahre der niederländischen, britischen, deutschen, schwedischen Jazzorchester und Rundfunk-Bigbands, als das Radio noch Leitmedium für den aktuellen Jazz war und der neu auf den Plan getretene Jazzrock die Hörerschaft rasant erweiterte. In diesem Kontext war Ack van Rooyen stets ein Vertreter der besinnlicheren Stimmungen.

Dennoch ist die Musik nicht rückwärtsgewandt um historische Korrektheit in klanglicher Gestaltung bemüht. Es geht eher um Zeitlosigkeit, jenseits bestimmter historischer Idiome. Etwas zutiefst Klassisches prägt die Musik, das über das bloß Gekonnte und Beherrschte und auch über jegliche altmeisterliche Attitüde weit hinaus weist. Es geht darum, dass man die Jungs noch einmal zusammenruft und gemeinsam schaut, wo man angekommen ist. Und das ist immer ein Jetzt, nie ein Gestern.

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