Studio Publicity Still from Star Trek Leonard Nimoy James Doohan circa 1969 Paramount Hollywood CA
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Montgomery „Scotty“ Scott (James Dooha, rechts) und Commander Spock (Leonard Nimoy, links).

TIMES MAGER

Ach, Scotty

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Bordingenieur Scott hatte das technisch total drauf, auch Harry Potter konnte beamen. Und wir? Schädigen das Klima.

Wo doch just die UN-Klimakonferenz über unser aller Schicksal beriet: Was ist eigentlich aus dem guten alten Beamen und Zeitreisen geworden? Vom Internet verschluckt wie Papierbrief und Telefonzeitansage? Raus aus der Mode? Na ja, leider ja.

O.k., als die Boomer klein waren, gab es praktisch kein anderes Thema. Enterprise-Bordingenieur Montgomery Scott (kurz Scotty), geboren im Jahr 2222, war der Mann, der jede andere Person an jeden anderen Ort beamen konnte. Er hatte das technisch total drauf. Das Raumschiff bereiste ohnehin schon unendliche Weiten. Ferne Galaxien, die nie ein Mensch zuvor gesehen hatte.

Wenn es hieß: „Beam me up!“ oder „Beam me aboard!“ (der Satz „Beam me up, Scotty!“ fiel in der Originalserie niemals wörtlich, wie die Teleportationsforschung heute weiß), dann war größte Gefahr im Verzug. Die andere Richtung, das Downbeamen quasi, steckte voller Abenteuer und unentdeckter Habitate. Genau wie die Ziele, zu denen der Time Tunnel führte, zweite große Fernsehfaszination jener Jahre. Aber da reiste man ja nicht von A nach B, sondern von jetzt nach vorhin. Oder nach demnächst.

Harry Potter konnte gewissermaßen beamen. Bei ihm hieß das: apparieren. Einfach irgendwo auftauchen. Seine beste Freundin Hermine vermochte sogar an beliebig vielen Orten gleichzeitig zu sein, und zwar ganz klimaneutral.

Hach. Es würde so viele Probleme lösen, wenn wir das auch dürften, liebe Reisebranche. Also gib dir einen Ruck. Denn es ist ja klar, dass das Beamen längst in geheimen Labors funktioniert. Es wird nur vertuscht, damit wir es nicht mitkriegen. Was würde aus Flug- und Pauschalreisen, wenn wir einfach wie Pan Tau am Hut zupften, wie Jeannie die Arme verschränkten und kurz nickten – und schon wären wir übern Brenner, in Nuuk, auf dem Melmak, hinterm Kyffhäuser?

Reisebüros. Könnten alle zumachen. Die Autobauer, selbst die Straßenbahnfabriken. Wenn der Trip nach Hawaii nur ein Lächeln dauerte, brauchten wir Leute, die dafür sorgten, dass nicht mehrere Personen gleichzeitig auf einem bestimmten Fleck ankämen, sagen wir mal: im Stadion beim Europapokalfinale. Das könnte sonst zum Problem werden. Und es gäbe neue Jobs in der Erdumlaufbahnstabilisierungsbranche, wenn plötzlich acht Milliarden Menschen auf der schönen Hälfte des Globus hockten, aber nur zwölf Sonnenallergikerinnen und -allergiker auf der mit dem Schneematsch.

Das ließe sich natürlich alles deichseln. Übrigens: Vor Husavik soll gleich ein wundervoller Buckelwal aus dem Nordmeer springen, aber hinfliegen, na hör mal.

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