Alte Oper

Academy of Ancient Music in der Alten Oper Frankfurt: Herzinniges Gut

  • schließen

Die Academy of Ancient Music mit Viktoria Mullova und dem Counter James Hall in der Alten Oper Frankfurt.

Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen / und jeder geht zufrieden aus dem Haus“: das jüngste Programm der Frankfurter Bachkonzerte in der Alten Oper passte perfekt zum Konzept des Theaterdirektors aus dem Vorspiel zu Goethes „Faust“.

Etwas Neues, etwas Geläufiges, etwas Virtuoses, etwas Ungewöhnliches. Und das alles aus der Epoche des Übergangs vom späteren Barock zur frühen Klassik. Mit Bach, Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel, und Joseph Haydn als Gewährsmännern. Dazu Maria Margherita Grimani. „Lebensdaten unbekannt, aktive Zeit von 1713–1718“ stand hinter ihrem Namen und der Titel des Werks „Pallade e Marte“, dessen Sinfonia erklang. So unbekannt die Künstlerin, so bekannt die Formatierung des Werks, das den gängigen Mustern der Zeit entsprach mit den lebhaften Sequenzierungen in den Ecksätzen und dem harmonisch getragenen Lineament in der Mitte.

Zwei bekannte Violinkonzerte gab es zu hören: das Italianità adaptierende Bachsche in a-Moll und das schon ganz gefälliger Stimmung verpflichtete Haydnsche in G-Dur. Das Tutti bestritt die Academy of Ancient Music, jenes 1973 von Christopher Hogwood etablierte, sich originalklangtreu verstehende Ensemble, das einst stilbildend wirkte.

Die 13 Streicher und fünf Bläser standen unter der Leitung Richard Egarrs, dem Hogwood-Nachfolger, der vom Cembalo aus lebhaft und fein artikuliert spielen ließ.

Solistin war Viktoria Mullova, deren schlanker und leichter, ungeschönt strahlender Ton sich in ihrem Habitus wie verkörpert zeigte. Souverän und lebhaft, war sie die prioritäre Stimme eines Stimmengeflechts, das bestens ineinander gefügt war. Bei Haydn, wo klangsprachliche Ausdrücke schon gewichtige Funktion übernehmen, bot sich die Artikulation offener und pointierter dar. In der Klanglichkeit ähnlich war schon Carl Philipp Emanuel Bachs 4. Sinfonie in A-Dur.

Als herzinniges Gut nach Hause zu tragen waren die drei vokalen Beiträge des Abends, wo der junge britische Countertenor James Hall zwei Bach- und eine Haydn-Arie präsentierte. Eine mezzosopranische Stimme, geradlinig und ohne affektiert-bleckende Aura – nahezu ideal knäbisch.

Die berühmte Alt-Arie der Matthäus-Passion, „Erbarme Dich, mein Gott“, war in der drucklosen Schwermütigkeit der rührende Brennpunkt, während der fesselnde das Andante der 4. Sinfonie Haydns war. Unerhörte synkopische Polyphonie in lockerster und subtilster Pulsation bei temporär querständigen Motiveinwürfen. Apollinische Groove-Kalkulation zwischen ostinater Repetition und wie aus dem Nichts einfallender Klangfigur. Wogender Klangstaub – meisterlich von der AAM in Schwingung gehalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion