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Mitski in Frankfurt

Abstand und Melancholie

Hat ihr selbst das jetzt eigentlich gefallen? Mitski, soeben 26 geworden, irritiert beim Konzert in der Frankfurter Brotfabrik.

Von Nicklas Baschek

Ihr seht mich heute noch depressiver als sonst. Es ist mein Geburtstag.“ Das sagt Mitski zur Begrüßung in der Frankfurter Brotfabrik – und die Mischung aus zarter Ironie und Melancholie legt sich wie ein sanfter Weizenbierrausch über den ganzen Abend. Am Ende ist man irritiert und fragt sich, ob Mitski das überhaupt selbst gefallen hat. Schaut man ins Publikum, dürfte die Frage falsch gestellt sein. Womöglich geht es um das, was einen die ganze Fragerei nach dem Glücklich-Sein und -Bleiben tun lässt.

Mitski ist sechsundzwanzig geworden, sie hat an der State University in New York Musik studiert, im Juni 2016 ihr viertes Album „Puberty 2“ veröffentlicht und ihre Songs verstecken hinter ihren Gitarrenwänden manchmal recht geschickt ihre Präzision und Subtilität. „If I could, I’d be your little spoon / And kiss your fingers forevermore / But, big spoon, you have so much to do / And I have nothing ahead of me.“

Mitski, graue Leggins, hohe Schuhe, schwarz-weißes Bandshirt (Michael Jackson?), blumiger Bomberblouson, scheint manchmal genug damit beschäftigt, Raum auszufüllen. Dankbar nimmt man die Ironie hin und auch den dazwischenhackenden Noiserock, der all das auf Abstand hält zur furchtbaren Folk-Melancholie, in der andauernd von irgendwelchem Feuer gesungen wird, das in uns brennt und einem Weg, den man gehen müsse. Heute wissen, was morgen zu tun ist, ist je nach Perspektive beruhigend oder furchteinflößend.

Zur Hochzeit des Wrestling, Ende der 90er, gab es einen Wrestler namens Raven, sein Gimmick, also die Rolle, die er einnahm, war der Look des 90er-Grunge, Holzfällerhemd, Lederjacke und Doc Martens. Wenn er in den Ring einzog zu einem Song, der von Nirvana gewesen sein könnte, dann schlurfte er missmutig zu einer Ecke des Rings und ließ sich in diese fallen. Da saß er dann in einer Pose zwischen souverän und verstört. Das ist manchmal nicht so leicht zu unterscheiden. „Puberty 2“ eben, das hört ja nicht auf.

Mitski liefert jetzt, zwanzig Jahre später, eine neue, alte Musik dazu, die dennoch mit keiner Silbe Früheres glorifiziert. Der 90er-Rock bietet eben gerade ein passendes Vokabular: Mitskis Gesang, der locker gut genug ist, dass er sich nicht immer an die naheliegende Melodieführung halten muss, eine ausgestellte Attitüde, die mal Slacker oder Generation X hieß. Sie geht mit dem ultimativ runtergerockten „My body’s made of crushed little stars“.

Man kann das für Antriebslosigkeit halten. Oder aber für die Suche nach einem Plan.

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