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Ein Abend voller Finessen

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La Finesse gastierten im Aschaffenburger Hofgarten.
La Finesse gastierten im Aschaffenburger Hofgarten. © La Finesse

Weibliche Streicherformationen – leicht abseits der üblichen Klassik- oder Pop-Pfade – sind im Kommen. Dazu gehört wie „Salut Salon“ seit einigen Jahren auch das Quartett „La Finesse“, das auf dem Sprung zu bundesweiter Bekanntheit am Sonntag im Aschaffenburger Hofgarten gastierte.

Von Wolfgang Heininger

Mit Vivaldi fanden die vier jungen Damen auf Anhieb den richtigen Einstieg. Freilich erleichterten ihnen die derzeitigen Wetterunbilden das Entrée. Während vor dem Hofgarten ein Platzregen herunterging, steuerten drei Geigen und ein Cello mit dem Sommergewitter aus den Vier Jahreszeiten die angemessene Begleitmusik bei.

Womit bereits eine der Hauptpersonen von La Finesse ins Rampenlicht rückte. Denn Mitbegründerin Birgit Förstner agiert nicht nur auf dem Cello und der singenden Säge – letztere vor allem zu Westernmelodien – souverän; sie schrieb und schreibt auch die Arrangements für ihre Kolleginnen. Und die sind wirklich bemerkenswert. Nicht nur im klassischen Bereich, eben bei der erwähnten Vivaldi-Sequenz, sorgt sie mit pfiffigen Wendungen für Frische und Leichtigkeit; sie verhilft auch stellenweise schwächelnden Filmmusiken, etwa bei Star Wars, zu einem stärkeren Auftritt.

Pfiffige Arrangements

Nach einem schweren Unfall hatte sich die Cellistin auch auf das Komponieren konzentriert. Ihre Auswahlmotive hängt sie nicht einfach wie bei einem Potpourri oder Medley aneinander, sondern verleiht ihnen eine neue Präsenz, in dem sie die Melodien gegeneinander stellt. Dieses Quodlibet (lat.: was beliebt) treibt Förstner in ihrem Bond-Arrangement auf die hörenswerte Spitze.

Überhaupt dominierten an diesem Sonntag die Filmmusiken. Das Boot, Fluch der Karibik, Spiel mir das Lied vom Tod oder Twilight sind nur einige Beispiele aus dem Finesse-Repertoir. Nicht zu vergessen das Harry-Lime-Thema aus dem Dritten Mann, bei dem drei Violinen und ein Cello zu einer Zither verschmelzen.

Verdienten die Leistungen von Förstner, Mitgründerin Daniela Reimertz, Monika Beck und Marta Danilkovich musikalisch durchweg gute Noten, sollte das Quartett noch an seinen Textüberleitungen arbeiten. Waren diese anfangs noch unprätentiös und informationsreich, glitten sie im Verlauf des Konzerts doch mehrfach in Albernheiten und Platitüden ab. Und dass das Publikum bei Viva la Vida ständig drei Worte mit murmeln sollte, nahm dem Stück doch einen erheblichen Teil seines Reizes.

Angesichts der Qualität der Akteure und der Auswahl der Stücke waren das allerdings verzeihliche Schönheitsfehler. Das Auditorium jedenfalls ließ die vier Frauen nicht ohne mehrere Zugaben von der Bühne.

Am 10. September gastiert La Finesse im Bürgerhaus Kelkheim-Fischbach und am 21. Dezember erneut im Aschaffenburger Hofgarten. Weitere Infos unter .

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