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Ein Abend der verpassten Chancen

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Vollmundige Ankündigung: „Faun“ lockte mit Gauklern und Feuerakrobaten, aber die ließen sich nicht blicken.
Vollmundige Ankündigung: „Faun“ lockte mit Gauklern und Feuerakrobaten, aber die ließen sich nicht blicken. © Electrola

Die Erfolgsgruppe „Faun“ liefert in der Frankfurter Jahrhunderthalle nicht das versprochene mittelalterliche Flair, sondern einen Folk-Kommerz-Brei. Nett anzuhören zwar, aber kein bleibendes Erlebnis. Dabei hätten „Faun“ durchaus das Potential zu mehr als einem belanglosen Unterhaltungsabend.

Von Wolfgang Heininger

Klappern gehört zwar zum Handwerk, aber mit ihrer Ankündigung, mittelalterliches Flair in die Frankfurter Jahrhunderthalle zu bringen, hat die Erfolgsgruppe „Faun“, derzeit mit dem Programm „Luna“ auf Deutschlandtournee, doch arg dick aufgetragen. Es könne durchaus passieren, dass die rund 2000 Besucher von Gauklern und Feuerakrobaten empfangen würden, hieß es da vollmundig.

Die aber ließen sich am Montagabend ebenso wenig blicken wie Feuerspucker und Minnesänger, mit denen die Veranstalter ebenfalls geworben hatten. Lediglich im laufenden Programm durfte eine junge Dame zwischendurch einige Fackeln kreisen und eine Flamme durch die Luft schweben lassen.

Schon gar nicht öffnete die sechsköpfige Gruppe wie annonciert „das Tor in eine mystische Welt“, deren „hypnotische Sounds und Rhythmen“ sich zu „innovativem Popappeal“ verbinden sollten. So blieb auch die Aufforderung von Frontmann Oliver Pade an die Zuhörer, gerne auch mal „wild zu tanzen“ oder sich „anzubrunften“ weitgehend folgenlos. Brav rezipierten die meisten Besucher die Show und applaudierten nach den Stücken dankbar, wenn keineswegs enthusiastisch.

Balladen für Carmen Nebel

Zwar orientiert sich die 1999 gegründete Band an historischen Stoffen aus verschiedenen Epochen und Regionen, was dann auch durchaus spannend sein kann, doch spätestens wenn sie ihre eigenen Kompositionen dazwischenschieben, wird aus dem mittelalterlichen Balladen-Stoff ein Folk-Kommerz-Brei, der bezeichnenderweise auch schon mal bei Carmen Nebel landete und mit dem die Band erfolglos beim Eurovision-Song-Contest zu reüssieren suchte.

Mit überliefertem Liedgut hat das dann etwa so viel zu tun wie Stubenmusi' mit dem Musikantenstadl. Kein Wunder, wenn Walpurgisnacht-Atmosphäre unter anderem mit Hilfe einer orientalischen Bauchtänzerin erzeugt werden soll.

Potential nicht ausgeschöpft

Dabei hätte „Faun“, zumal mit den Solisten Elfren Lopez an verschiedenen Lauten und Maya Fridman am Cello durchaus das Potential zu mehr als einem belanglosen Unterhaltungsabend. Allein die Instrumentierung mit Pauken, Trommeln, Harfe, Dudelsack, Flöten und diversen Saiteninstrumenten hat ihren eigenen Reiz und auf die Idee, eine Drehleier mittels eines Samplers in einen Synthesizer zu verwandeln, muss man erst einmal kommen.

So war das Konzert letztlich kein bleibendes Erlebnis; nett anzuhören, aber ein Abend der verpassten Chancen, auch wenn die „Faun“-Fans das anders sehen mögen. Einen dicken Pluspunkt verdienten sich die jungen Akteure allerdings, als sie die Besucher dazu aufforderten, sich in die Protestlisten gegen das vermaledeite internationale Handelsabkommen TTIP einzutragen.

Im Oktober gastiert „Faun“ am 8. im Circus Krone in München, am 10. im Colosseum in Essen, am 11. im Haus Auensee in Leipzig und am 12. im Kongresshaus Heidelberg. Weitere Infos unter www.faune.de.

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