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Björn Ulvaeus (l-r), Agnetha Fältskog, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad.
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Björn Ulvaeus (l-r), Agnetha Fältskog, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad.

Abba

Abba sind zurück: Wir sind die Roboter

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Die gelungene, wenn auch angekündigte Überraschung: Abba sind zurück, mit neuen Songs und verewigt als singende Avatare

Im Jahr 1982 erweiterten Millionen von Teenagern ihren Wortschatz um das Fremdwort „Dementi“. „Abba dementieren weiter Trennungsgerüchte“ meldete die „Bravo“ damals fast wöchentlich. Hartnäckige Fans, und ich weiß wovon ich spreche, gestanden sich erst nach Jahren ein, dass „Pause“ auf Schwedisch wohl ein sehr dehnbarer Begriff sein musste. Die Gruppe, die in ihren letzten Hits wie „The Day Before You Came“ und „One Of Us“ so herzergreifend über partnerschaftliche Entfremdung gesungen hatte, trennte sich von ihren Fans, ohne sich auch nur zu verabschieden.

Doch nur eine „Pause“

Und nun das: In einem am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Video begeistert sich Björn Ulvaeus: „Es ist unvorstellbar, nach vierzig Jahren ein neues Album zu veröffentlichen. Sich so gut zu verstehen in absoluter Loyalität zueinander, das ist doch vollkommen unglaublich.“ In der Tat unglaublich: da kommen sie einfach zurück, als sei nichts gewesen. Mamma Mia, here we go again. Soll wohl heißen, es war wirklich nur eine Pause. Wir hätten einfach nicht so misstrauisch sein sollen, die „Bravo“ hatte ja Recht. Wie es Ulvaeus ausdrückt: „Als mir Benny das neue Lied vorspielte ‚I Still Have Faith In You‘, dachte ich gleich: Das geht doch um uns.“

Aber Abba wären nicht ABBA, wenn sie so ganz zurückkämen. Ein ganzes Album mit zehn Songs am 5. November, das ist tatsächlich eine Sensation – auch wenn seit 2018 von einzelnen neuen Stücken berichtet wurde. Doch für die ab Mai 2022 angekündigten Live-Shows in einer eigens in London errichteten Arena, können sie getrost in Schweden bleiben. „Abbatare“ nennen sie ihre digitalen Doubles, die nun ebenfalls in kurzen Clips vorgestellt wurden. Wochenlang ließen sich die heute zwischen 71 und 76 Jahre alten Musiker von 160 Kameras digitalisieren, während sie sich zu den Songs bewegten. Anschließend erfolgte eine Verjüngungskur auf das Aussehen in ihrer Glanzzeit. Man entschied sich bei der Gestaltung der „skins“ für ihr Aussehen im Jahre 1979, als sie ihre letzte Welttournee absolvierten.

Avatare sind in der Musikgeschichte nichts Neues, schon 1972 gründete sich in San Francisco die nur maskiert auftretende Avantgardeband The Residents, von der man bis heute nicht weiß, wer bei ihren Auftritten auf der Bühne steht. Kraftwerk experimentierten früh mit mechanischen alter egos, und die britische Pop-Band Gorillaz gibt es nur als Comicfiguren. In dieser Konsequenz aber betreten Abba in der Musikgeschichte Neuland. Nach fast vierzig Jahren weitgehender Unsichtbarkeit wollen sie uns nun bis in alle Ewigkeit erhalten bleiben. Das hat bestenfalls Elvis Presley geschafft, falls er denn wie einige Fans behaupten, noch am Leben sein sollte. Oder Paul McCartney, von dem sich seit den 60er Jahren Gerüchte halten, er sei bereits auf dem Cover von Abbey Road durch ein Double ersetzt worden.

Aber nun gibt es Abba ja erst einmal doppelt, wie sie es selbst einmal in ihrem Song „Me and I“ formulierten: „Part of me is acting while the other stands beside…“ Wichtiger ist aber die Frage: Was taugen die neuen Songs? Werden sie weiterhin Musikgeschichte schreiben?

Anrührend warme Stimme

„I Still Have Faith In You“ ist eine jener etwas sentimentalen Balladen, wie sie Benny Andersson schon immer gern komponierte. Eingängig wie die von ihm so leidenschaftlich gepflegte schwedische Volksmusik, erinnert es etwas an Abbas „The Way Old Friends Do“. Frida singt es zunächst als Solo mit deutlich gealterter, aber gerade deshalb anrührend warmer Stimme. Zum Refrain stimmen die anderen in den Gesang ein, und der Song könnte nun auch gut einen Musical-Akt beenden.

Die originellere und stärkere Nummer ist „Don’t Shut Me Down“, von Agnetha mit noch immer strahlender Stimme gesungen. Es ist ein Song wie „Dancing Queen“ – getragen von einem glockig-schmissigen 70er-Jahre-Pop-Arrangement. Man ahnt schon, warum sich Abba für ihre Wiedergeburt ihren Look von 1979 ausgesucht haben. Dass sie musikalisch danach immer besser wurden und ihre größten Songs über ihre Trennungen schrieben, will man heute wohl nicht mehr betonen. Hauptsache, sie sind zurück, oder wie sie selber sangen: „I’ve Been Waiting For You“.

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