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Wer verknallt ist, kann jetzt natürlich das Smartphone nicht ausmachen. Morten Harket bei der Arbeit.

Unplugged-Tournee

Mit A-ha auf musikalischer Reise

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Die norwegische Kultband A-ha ganz akustisch und unangeberisch in der Frankfurter Festhalle.

Amüsant ist und bleibt die gängige Unterteilung der Musikwelt in a) elektrische und b) akustische Instrumente. Man könnte meinen, die sogenannte akustische Gitarre sei im Gegensatz zur elektrischen hör- und nicht sichtbar, aber Pustekuchen. Und hier zur Beruhigung der A-ha-Fans: Die gerade begonnene Unplugged-Tournee der Norweger gilt zwar als ihre erste „vollkommen akustische“. Aber man kann die Herren trotzdem sehen. Und sogar einige Damen.

Wobei die Befürchtung anfangs durchaus zu greifen ist in den hinteren Reihen, dass die Blickbeziehungen dürftig ausfallen. Als das seit 35 Jahren gemeinsam musizierende Trio mit „This Is Our Home“ loslegt, steht fest, dass Sänger Morten Harket eine Brille und eine Lederjacke trägt. Viel mehr Details sind nicht zu gewahren, so ganz ohne Video-Zeug auf Großleinwänden. Bei Song Nummer 3, „I’ve Been Losing You“, dann die Erlösung: Zack, erscheinen die Gesichter auf zuvor unscheinbaren Screens, und prompt geht ein Ruck durch die Halle. So völlig unplugged, also uneingestöpselt, wird der Abend dann doch nicht werden.

„Alles gut?“, fragt Magne Furuholmen am Piano die Leute auf Deutsch. Alles gut. „Wir sind A-ha und wünschen eine gute musikalische Reise.“ Es wird zunächst eine beschauliche Fahrt durch herrliche norwegische Paradiese aus Bergen, Schnee und Wasser, die den Bühnenhintergrund bilden. Ein erster Höhepunkt ist das grandiose „Foot Of The Mountain“ – da dämmert, wie verblüffend zahlreich die Hits dieser Band waren, wie wunderschön die Melodien.

Auf der Bühne stehen und sitzen Menschen, die aus Geigen, Cello, Harmonium, Keyboards, sogar Cembalo und Celesta ein warmes Zuhause rund um die dreiköpfige Ur-Band bauen. Im Publikum sitzen in großer Zahl ehemalige Mädchen, die einst in Morten Harket verknallt waren oder immer noch bzw. seit zehn Minuten wieder sind. Den Verknallten ist es natürlich unmöglich, der eingangs geäußerten Bitte nachzukommen, die Smartphones auszuschalten. Manche müssen gar gleichzeitig filmen und mit dem Zweitphone Textnachrichten verschicken. Tja, die Liebe.

Mortens Stimme ist nicht mehr haargenau dieselbe wie vor 35 Jahren, aber sie ist charmant, und sie trägt weit, weit. „Hunting High And Low“, da schwingen Ferne und Sehnsucht, das macht die Band einfach toll, optisch und akustisch. Am Ende jagen einander die Schmacht-Hits, „Scoundrel Days“, „Summer Moved On“, „The Sun Always Shines On TV“.

Zu Beginn der Zugaben richtet der 58-jährige Harket erstmals selbst das gesprochene Wort an die Fans und kündigt den Song an, der Ursprung der Band gewesen sei. Aha!, denken alle (und so ist der Bandname übrigens auch gemeint), jetzt kommt’s. Aber dann kommt „Sox Of The Fox“, ein Lied, das Furuholmen und Gitarrist Pål Waaktaar-Savoy schon vor A-ha schrieben. Anschließend dann „Living Daylight“ und, selbstverständlich, „Take On Me“, aber in einer ganz besonders sanften Version als Gutenachtlied.

Was für ein schöner Abend, so akustisch (bis auf den schamlosen E-Bass) und, hoho, uneingestöpselt. Eine runde Sache, denn wenn wir die Musikwelt mal kurz in Angeber und ihr Gegenteil gliedern möchten, dann ist A-ha die unangeberischste Band des Universums.

Auf Unplugged-Tour am 26.01 in Hannover, 27.01 in Leipzig, dann in Berlin und Hamburg.

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