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50 Cent in der Festhalle: Ein freundlicher Mittvierziger

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Von: Stefan Michalzik

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Rapper 50 Cent auf Tour.
Rapper 50 Cent auf Tour. © dpa

Diesmal ohne „Klick Klack – Bumm“: 50 Cent in der ausverkauften Frankfurter Festhalle.

Kultur“, hat der als Curtis James Jackson III geborene Rapper 50 Cent einmal gesagt, „ist eine Reflexion der sozialen Erfahrungen, HipHop eine Reflexion der Erfahrungen der unteren Einkommensschichten“. Keine Frage ist, dass eine Verherrlichung von Gewalt in keinem Fall gutzuheißen ist. Gangsta-Rap, das Genre, in dem 50 Cent neben seinem Entdecker Eminem zu den prägenden Größen gehört, kann man selbstverständlich schnell abtun, schließlich gehören über das Thema Gewalt hinaus misogyne und homophobe Texte sozusagen zu den Genrekonventionen.

Und natürlich braucht man nicht zum 50-Cent-Versteher zu werden, aber der Blick für das Dazwischen ist erhellend für eine Beschäftigung mit dem Genre und mit diesem Künstler, der eigenem Bekunden nach Splitter von neun Projektilen in seinem Körper hat. Kurz die Biographie rekapituliert: Ohne Vater aufgewachsen, die mit Drogen handelnde Mutter wurde erschossen, früh selbst Dealer und in diesem Zuge mehrfach angeschossen, Gefängnisaufenthalte. Gewalt ist bekanntlich ein Teil der Welt, nicht allein der von Curtis Jackson, sie wurde schon im antiken Drama gespiegelt und bei Shakespeare, gesteigert in „Titus Andronicus“. Wobei Spiegelung und Verherrlichung zwei paar Schuhe sind.

Er hat deutlich abgerüstet

Doch 50 Cent hat abgerüstet. 2006 hatte ich ihn zum letzten Mal gesehen, an gleicher Stelle wie jetzt, in der Frankfurter Festhalle. „Music is my weapon“ war damals gleich zu Anfang auf den Projektionsflächen zu lesen, während des ersten Liedes schwenkte die Kamera über ein üppig bestücktes Arsenal an Schnellfeuerwaffen, vor jedem Song ertönte über den Abend hinweg immer wieder ein „Klick Klack – Bumm“.

Nichts mehr davon heute, die einzigen Knalleffekte sind pyrotechnischer Natur, und Curtis Jackson, der auch als Schauspieler und als Unternehmer der Maxime folgt ,,Get Rich Or Die Tryin’" – Titel des Erfolgsalbums aus dem Jahr 2003 –, präsentiert sich als ein in erster Linie freundlicher, partylauniger Mittvierziger. Nicht mehr mit muskulös narbengeziertem Oberkörper, sondern, nun ja: fülliger und bekleidet.

Die Motive in der Dauerbildflut im Hintergrund sind sparsam gekleidete Frauen ohne Ende, als tanzende Gruppe oder eine einzeln in – durchaus selbstbewusst – erotischer Blickbeziehung mit 50 Cent. Einem jüngeren 50 Cent, denn es handelt sich um Schnipsel aus den Musikvideos und das Repertoire ist überwiegend retrospektiv. Das Umfeld: Luxusprodukte. Waffe und Projektil tauchen lediglich in einem der Schnipsel auf.

Ziemlich altmodisch, was 50 Cent und seine beiden Mitrapper sowie ein DJ-Produzent, ein Keyboarder und ein Gitarrist – der ein gniedeliges Rocksolo hinlegen darf – in einem breitwandigen Sound entfachen. Im Übermaß aufregend muss man das nicht nennen, doch ist es unterhaltsam und dies ohne Durchhänger. Ein zugkräftiger Groove ist durchgängig garantiert. 50 Cent, das ist heute Entertainment im Megashow-Standard.

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