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Musik vom Versandhändler

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Kopfhörer auf, Musik an: Streaming-Dienste boomen.
Kopfhörer auf, Musik an: Streaming-Dienste boomen. © REUTERS

Amazon will groß in das Geschäft mit Musik-Streaming-Diensten einsteigen. Wir erläutern, wie die Konkurrenz im Geschäft mit Songs wächst und was das für Kunden und die Plattenfirmen bedeutet.

Abrufdienste für Musik wachsen rasant. Das will sich der weltgrößte Online-Händler Amazon nicht durch die Lappen gehen lassen. Wir erläutern, wie die Konkurrenz im Geschäft mit Songs wächst und was das für Kunden und die Plattenfirmen bedeutet.

Was hat Amazon vor? Amazon verhandelt nach übereinstimmenden Medienberichten mit den großen Plattenfirmen über Nutzungsrechte, um im großen Stil in das Geschäft mit Musik auf Abruf aus dem Internet einzusteigen und dem schwedischen Marktführer Spotify oder Apple Music Konkurrenz zu machen. Der neue Dienst könnte noch im Herbst starten. Bislang bietet der Online-Händler lediglich eine beschränkte Auswahl an.

Warum forciert Amazon gerade jetzt das Musikgeschäft? Die Manager haben ganz offensichtlich Angst, dass sie bislang zu kleine Brötchen gebacken haben. Das sogenannte Streamen ist in den USA zur dominierenden Distributionsform von Rock und Pop, Jazz und Klassik geworden. 2015 kletterte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel auf 2,4 Milliarden Dollar. Beim Streamen wird nur noch kurz zwischengespeichert, die digitale Musik wird gewissermaßen direkt abgespielt.

Wie sind die Erwartungen für die Zukunft? Die Marktforscher sind sich einig, dass es in den nächsten Jahren ein kräftiges Wachstum gibt. Streaming ist vor allem bei jungen Leuten beliebt. Weltweit liegt allein beim Marktführer Spotify die Gesamtzahl der Nutzer bei etwa 100 Millionen. Eine Verdoppelung der Kundenbasis für die gesamte Branche bis zum Jahr 2020 halten viele Experten für wahrscheinlich.

Wie stark ist die Konkurrenz für Amazon? Nach Spotify kommt derzeit schon der Newcomer Apple Music. Bemerkenswert ist, dass Apple nur zahlende Nutzer hat, und das sind schon 15 Millionen. Bei Spotify überweisen derzeit 30 Millionen Kunden regelmäßig Geld dafür, dass sie unbegrenzt viele Songs aus einem Angebot von 20 Millionen anhören können. Wichtige Anbieter sind auch Soundcloud, Deezer, Google Play oder Napster. Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge plant auch das Internet-Radio Pandora ins Streaming-Geschäft einzusteigen.

Wie ist die Situation in Deutschland? Laut Hightechverband Bitkom sind vier von zehn Internetnutzern auch beim Streaming dabei. Ein Viertel hat Bezahldienste abonniert. Bei den 14- bis 29jährigen liegt der Anteil bei 60 Prozent. Doch selbst bei Leuten über 50 lauscht mittlerweile jeder Dritte Lieder aus dem Abrufdienst. „Die Streaming-Dienste entwickeln ihr Angebot ständig weiter und bieten mittlerweile passende Inhalte für alle Altersklassen“, sagt Timm Lutter, Bitkom-Experte für Consumer Electronics & Digital Media. Die Experten vom Statistikportal Statista gehen davon aus, dass die Umsätze beim Musik-Streaming von 264 Millionen Euro in 2016 in den nächsten vier Jahren um durchschnittlich gut 13 Prozent per annum steigen werden.

Welche Rolle spielt das Datensammeln beim Streaming? Das ist eine zweischneidige Sache. Die Streaming-Dienste sammeln und analysieren Daten, um aus dem fast unerschöpflichen Angebot Empfehlungen für die Nutzer zu generieren. Selbstlernende Programme sorgen dafür, dass diese Vorschläge immer genauer den Geschmack der Kunden treffen, was deren Musikkonsum steigern soll. Die gesammelten Daten sind aber zudem ein wertvoller Schatz für die Anbieter, denn es entstehen detaillierte Nutzerprofile, die auch helfen können, andere Geschäfte voranzutreiben. Deshalb lassen sich diese Informationen auch gut weiterverkaufen.

Was bedeutet Streaming für die Musikbranche? Nach Schätzung des Internetpioniers Jaron Lanier ging bei Übergang von der CD zum Download ein Drittel der Arbeitsplätze in der Musikindustrie verloren. Laut Global Music Report steigen vor allem dank des Streaming-Booms die Einnahmen der Musiklabels, Verlage und Verwertungsgesellschaften inzwischen aber wieder: um 3,2 Prozent im vergangenen Jahr. Etwa 70 Prozent der Einnahmen kostenpflichtiger Streaming-Dienste – bei Apple ist es mehr – werden an die Rechteinhaber ausgeschüttet.

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