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Herz und Scheitel am rechten Fleck: Ulrich Meyer.
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Herz und Scheitel am rechten Fleck: Ulrich Meyer.

"Akte" bei Sat.1

Mütter allein zu Haus

Es ist, als hätte jemand vor langer Zeit Batterien in Ulrich Meyer gesteckt, ihn in ein Studio gestellt, und seitdem moderiert er: "Akte" bei Sat.1. Seitdem bekommen die großen Leute richtige Anwälte und die kleinen Leute - die "Akte". Von Klaus Raab

Von Klaus Raab

Erstaunlich: Ulrich Meyer, dieser Mann, der schon immer da gewesen zu sein scheint, ist wirklich erst seit 25 Jahren beim Fernsehen. Was bedeutet: Es gab im deutschen Privatfernsehen, dessen erste Zuckungen vor 26 Jahren übertragen wurden, einmal eine Zeit vor ihm.

Aber das ist lange genug her, dass man trotzdem sagen kann: Meyer - "Der heiße Stuhl", "Explosiv", "Einspruch!" - ist das Gesicht des deutschen Kommerzfernsehens. Heute um 22.15 Uhr läuft die Jubiläumssendung seines Sat.1-Formats "Akte", das er seit 15 Jahren moderiert. Er sieht stets seriös und gescheitelt aus, variiert seit Jahren kaum einmal die Handbewegungen. Es ist, als hätte jemand vor langer Zeit verdammt gute Batterien in ihn gesteckt, ihn in ein Studio gestellt, und seitdem moderiert er.

In Wahrheit ist Meyer nicht nur das Gesicht, sondern mit seiner Produktionsfirma Meta Productions, die ihm und der Firma Endemol gehört, auch ein Kopf der "Akte", deren Untertitel lautet: "Reporter kämpfen für Sie!". Das Selbstbild umschreibt Meyer auf der Sat.1-Homepage so: "Wir wollen der weiße Ritter sein, den man in jeder Notlage anrufen und um Hilfe bitten kann." Es geht um unseriöse Schlüsseldienste, betrügerische Reiseveranstalter und Tücken des Onlineeinkaufs. Das klingt sehr nett von Sat.1.

In das Fremdbild allerdings mischen sich doch ein paar mitteldunkle Grautöne. Zuletzt etwa ging es in der "Akte"-Redaktion um Themen wie "Mama, warum haben wir kein Zuhause mehr? Wenn plötzlich im Flur ein Lastwagen steht" oder "Mama, warum kannst Du nicht mehr laufen? Wenn Narkose-Mittel junge Mütter in den Rollstuhl bringen". Unter Hinguckeraspekten ausgewählte Einzelfälle schlachtet die Redaktion zu überlangen Skandalgeschichten aus.

Wenn Meyer in diesen Tagen also mit dem Satz zitiert wird, er und seine "Akte"-Redaktion seien der "Anwalt der kleinen Leute", kommt man, ohne das Jubiläum verderben zu wollen, kaum umhin, im Nebensatz auf eine Ungerechtigkeit hinzuweisen, die auch einmal eine Sat.1-Recherche wert sein könnte: Warum bekommen die großen Leute eigentlich immer die richtigen Anwälte mit Examen und die kleinen Leute - die "Akte"?

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