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Jan Josef Liefers und Heike Makatsch mit ihrem Pubertier.

Filmstudio

Münchner Bavaria Film ist wieder da

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Ungewöhnlicher Trumpf im Ärmel: Die Münchner Bavaria Film zeigt sich wieder optimistisch und das Filmstudio hat offenbar auch Grund dazu.

Solche Töne hört man von öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen derzeit selten. „Wir sind wieder da“, sagt Achim Rohnke. Der Geschäftsführer der Münchner Bavaria Film blickt auf ein erfreuliches Geschäftsjahr 2016 mit steigenden Umsätzen und Gewinnen zurück, was erst der Anfang sein soll. Von nun an soll es weiter aufwärts gehen. Rund 250 Millionen Euro Umsatz hat das drittgrößte deutsche Filmstudio bis 2020 im Fokus, gut ein Zehntel mehr als heute. Ein derart moderater Vorwärtsgang sei auch nötig, wolle sich das vor knapp hundert Jahren gegründete Studio nicht vom Markt verabschieden, so Konzernchef Christian Franckenstein.

Sie haben einen ungewöhnlichen Trumpf im Ärmel: „Wir sind das einzige klimaneutrale Studio der Welt“, sagt Rohnke. Um 98 Prozent habe man den Ausstoß schädlicher Klimagase in der Produktion mittlerweile gesenkt. Da die gesamte Filmbranche auf grüne Produktionen zusteuere, habe Bavaria Film als Vorreiter dieser Entwicklung bessere Chancen, den Zuschlag für Aufträge zu bekommen. Zuletzt geklappt hat das bereits bei Serien wie dem „Tatort“ oder den „Rosenheim Cops“ oder auch bei Shows, die neuerdings verstärkt von privaten Sendergruppen wie ProSiebenSat1 wieder in Geiselgasteig in Auftrag gegeben werden. Das Aufkommen von Streaming-Plattformen wie Netflix und Amazon Prime oder vermehrten Eigenproduktionen des Bezahlsenders Sky setzen ProSiebenSat1 und RTL zunehmend unter Druck, wieder mit eigenen Formaten aktiver zu werden. Dazu bieten Shows eine gute Bühne.

Den Ballast der Vergangenheit hat Bavaria in den vergangenen drei Jahren, in denen Franckenstein an der Spitze der Gruppe steht, erfolgreich abgeschüttelt. Nun rüstet man nicht nur klimaneutral, sondern auch digital auf, um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden. Auf dem 33 Hektar großen Filmgelände werden mediennahe Hightech-Firmen angesiedelt, die Bavaria auch in dieser Hinsicht auf Augenhöhe mit den Kölner und Berliner Hauptkonkurrenten bringen sollen. Einen Film mit 100 Gigabyte Datenvolumen in Geiselgasteig auf einen Rechner zu laden, dauere knapp zwei Minuten, daheim am eigenen PC dagegen viereinhalb Stunden, erklärt Rohnke.

Produktionen wie „Das Pubertier“ helfen

Schwachstellen gibt es aber noch. So ist in Geiselgasteig seit dem Film „Snowden“ von Oliver Stone vor zwei Jahren keine internationale Großproduktion mehr über die Bühne gegangen. Über Wasser hält sich Bavaria in dieser Hinsicht mit nationalen Produktionen wie zuletzt „Das Pubertier“. Der Film, der teilweise in Geiselgasteig gedreht wurde, lief gerade in den Kinos an.

Kurz vor dem Drehbeginn im August steht die von Sky in Auftrag gegeben Serie „Das Boot“, die an den 35 Jahre alten Kassenschlager von Wolfgang Petersen anknüpft. Deutschland habe allgemein schlechte Chancen, internationale Großproduktionen dieser Art an Land zu ziehen, weil deren steuerliche Förderung in Ländern wie Italien oder Schottland ungleich größer ist, bedauern die Bavaria-Manager.

Nicht als echte Niederlage empfinden sie dagegen nach eigenen Aussagen, bei der Wahl des ARD-Studios für die Fußball-WM 2018 in Russland leer ausgegangen zu sein. Schon es in die engere Wahl geschafft zu haben, sei ein Erfolg.

ProSiebenSat1 und RTL haben spezifische Anforderungen

Franckenstein und Rohnke glauben mittlerweile den Spagat meistern zu können, in dem Bavaria naturgemäß steht. Auf der einen Seite sind öffentlich-rechtliche Eigner mit dem WDR (ein Drittel) an der Spitze. Dazu kommen der BR und SWR mit je 17 Prozent sowie die bayerische Förderbank LfA. Auf der anderen Seite stehen zunehmend privatwirtschaftliche Großkunden wie ProSiebenSat1 und RTL mit ihren spezifischen Anforderungen.

Aber seit sich die Gesellschafter arrangiert haben und hinter der Wiederbelebung von Bavaria Film stehen, sind die Manager optimistisch. In dem Tempo wie 2016 mit einem Umsatzwachstum von gut einem Zehntel auf 224 Millionen Euro und einer Verbesserung der Gewinnmarge vor Steuern und Zinsen von 3,4 auf 5,9 Prozent werde es allerdings nicht weitergehen. Da seien auch positive Einmaleffekte zu berücksichtigen. Aber fünf Prozent Rendite müsste Bavaria schon dauerhaft schaffen.

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