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Endlich ist der testosteronverblödete, wahrlich nicht nur schwarz-rot-gold eingefärbte Mummenschanz vorüber. Gestern lärmte der letzte Autokorso die Straße

Endlich ist der testosteronverblödete, wahrlich nicht nur schwarz-rot-gold eingefärbte Mummenschanz vorüber. Gestern lärmte der letzte Autokorso die Straße entlang. Keine unerbetenen Gäste mehr zu nachtschlafender Zeit. Die Aufdringlichkeit hat ein Ende. Finale, Deutschland gegen Spanien, na ja, Sie wissen schon… Und jetzt ist dann aber auch wirklich gut.

Denkste! Die Aufdringlichkeiten und Zumutungen, von denen es, was wir fußballbedingt kurz aus dem Blick verloren hatten, unzählige und vor allem auch fußballferne gibt, machen selbstverständlich weiter die Runde. Gerade noch rechtzeitig zum sonntäglichen Schicksalsspiel erinnerte uns der BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht in der Süddeutschen Zeitung an ganz andere Schicksalsmächte: "…in der Öffentlichkeit wird fast ausschließlich über Fehler und Versagen geredet. Die Kultur des Positiven ist uns nach 60 Jahren sozialer Marktwirtschaft verlorengegangen."

Wohl wahr, die Öffentlichkeit ist eine leicht verführbare und deswegen immer wieder zum Nörgeln neigende Großmacht, die unser Schicksal mehr als alles andere bestimmt; sie ist eine von den Segnungen der sozialen Marktwirtschaft satt und träge gewordene Leistungsempfängergemeinschaft, die unseren Entscheidern als eine einzige Zumutung vorkommen muss. Wenn dagegen alles so gut laufen würde wie bei BASF, so Hambrecht, dann hätten wir längst eine "langfristige Strategie, auf deren Basis \[wir\] sehr schnell auf die internationalen Herausforderungen reagieren können". Zum Beispiel auf die chinesische Herausforderung.

Haben wir aber nicht. Doch warum? Etwa weil, was die öffentlichen Angelegenheiten und also die Politik betrifft, nicht alles nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam geht? "Ich weiß", antwortet der Unternehmer, "dass Politik ein mühsames Geschäft ist". Mehr hat er dazu nicht zu sagen: Demokratie, Rechtsstaat, Freiheit und so weiter - all das ist erstens mühsam und zweitens ein Geschäft. Worin besteht dann aber die "soziale Verantwortung", von der Hambrecht wissen will, dass sie für "Unternehmen immer wichtiger" wird?

Nun, der Manager wird sich gewiss für uns einsetzen, wenn es in, sagen wir: 15 bis 20 Jahren darum gehen wird, dass China uns Europäern die Schulden erlassen soll.

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