Die Zeit ist gekommen für ein Comeback der grünen Mitbewohnerin, des grünen Mitbewohners.
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Die Zeit ist gekommen für ein Comeback der grünen Mitbewohnerin, des grünen Mitbewohners.

TIMES MAGER

Monstera

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Auch Pflanzen kann man dabei zusehen, wie sie ein Comeback feiern.

Im Teenageralter sollte man (fast) alles mal ausprobieren – und darum ruhig auch kleine Experimente mit Pflanzen machen. Allerdings ist hier nicht die Rede vom Kekse backen oder dem Rauchen eines besonderen Krauts, sondern von einem Versuch mit Blättern, gleichsam den Tamagotchis der 70er (was ist eigentlich aus den Tamagotchis geworden? In ein Schächtelchen gelegt und im Garten begraben wie der Wellensittich?). Ein halbes Dutzend Blätter wurden – drei links hinten, drei rechts vorne – aufs Nachtkästchen gelegt, damit man sie nicht vergaß. Morgens und abends wurde den drei Blättern rechts vorne freundlichst zugeredet, die anderen wurden ignoriert. Allenfalls schickte man ihnen von der Seite einen bösen Blick. Die Theorie: Blätter bleiben länger grün, wenn man nett ist zu ihnen. Die Praxis: stimmt genau. Zwar handelte es sich um einen einzigen Versuch, dann war es der Zwölfjährigen schon langweilig und sie begrub alle sechs Blätter im Garten und legte ihnen ein Blümchen aufs Grab (okay, das haben wir jetzt erfunden, sie warf die Blätter, alle sechs, auf den Kompost). Aber dass die drei Blätter rechts vorne nach einer Woche noch fast frisch aussahen, dass sie manchmal fast wirkten, als warteten sie schon auf das „schlaft gut!“, das konnte doch kein Zufall sein, oder?

Warum wir das erzählen? Weil die Zeit gekommen ist für ein Comeback der grünen Mitbewohnerin, des grünen Mitbewohners. Und ausnahmsweise spricht das Times mager nicht vom Marsmännchen und Marsmädchen. Sondern von Howea forsteriana („besonders pflegeleicht“) oder Epipremnum pinnatum („sehr genügsam“).

Noch nie, so war dieser Tage zu lesen, noch nie wurden so viele Zimmerpflanzen gekauft wie derzeit. Eigentlich ist das logisch: keine Party, nirgends, noch nicht mal ein Kaffeeklatsch. Bleiben nur, um mit irgendetwas Lebendigem zu reden, die Silberfischchen im Bad oder eben eine Dracaena draco (wächst „ohne großes Zutun“ bis zu zwei Meter. Das unterscheidet sie doch sehr vorteilhaft von einem, nun ja, Menschenkind, dem man zuerst die Windeln wechseln und dann eine Abifeier bezahlen muss).

Und niemand muss so weit gehen wie ein Neuseeländer, der eben eine Monstera Variegata mit vier Blättern für gut 4500 Euro erwarb. Und warum auch nicht, womöglich ist sie ein angenehmer Gesprächspartner und lässt nie die Blätter beleidigt hängen, wenn man sie ein paar Tage zu gießen vergisst. Die Mitglieder von „Zimmerpflanzen Neuseeland“ haben übrigens zwei Regeln: Kein Betteln nach Ablegern. Und: Kein Beschämen wegen des Preises.

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