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Kai Anderson (Evan Peters) ist von Donald Trumps Wahlsieg begeistert und fasziniert - so sehr, dass er mit Hilfe von ein paar mörderischen Horrorclowns selber in die Politik geht.

Das Monster ist diesmal Donald Trump

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"American Horror Story" geht in die Politik.

In Zeiten, in denen ein misogyner Rassist Präsident der amerikanischen Staaten von Amerika ist, der ältesten Demokratie der Welt, und auch sehr stolz auf diese Tatsache, „The Land of the Free“, braucht man da wirklich noch fiktive Gruselgeschichten?

Warum nicht, scheinen sich die Macher von „American Horror Story“ gedacht zu haben und ziehen die siebte Staffel der Horror-Serie genau an eben dieser Thematik von Donald Trumps Präsidentschaft auf. Es geht um die Wut eines weißen Mannes, um Größenwahn und die Angewohnheit der Menschen, aus Angst oder Frustration alles für denjenigen zu tun, der Abhilfe verspricht.

Dabei dient Trump nur als rahmengebender Aufhänger, die Staffel beginnt mit dem Wahlsieg des Immobilienmoguls und den verschiedenen Reaktionen der Hauptcharaktere – Verzweiflung, Tränen, unbändige Freude, alles ist dabei. Der Mittzwanziger Kai Anderson (Evan Peters) fühlt sich durch Donald Trumps Wahlsieg inspiriert, denn er erkennt, dass man mit sexistischen und rassistischen Ansichten und Angstmacherei sehr weit kommen kann. Verbissen und unermüdlich kämpft er für seine Sache – denn eigentlich will er ja nichts Geringeres als die Weltherrschaft –, er beginnt aber erst einmal mit einer Kandidatur als Stadtrat für die fiktive Kleinstadt Brookfield Heights in Michigan. Er zieht mit seiner Kampagne von Haus zu Haus, erklärt, wie gefährlich die Nachbarschaft geworden sei. Aber er habe Ideen, die Stadt wieder sicher zu machen. Er findet schnell Anhänger und baut sich eine private Armee auf.

Damit der Plan aufgeht und seine Kampagne auch Sinn macht, ist es natürlich essenziell, dass die Stadt auch wirklich unsicher ist. Dafür müssen er und seine Gruppe allerdings selbst für die Unsicherheit in der Stadt sorgen. Als Horrorclowns verkleidet begehen sie einen schrecklichen, blutigen Mord nach dem anderen. Das funktioniert, die Menschen haben Angst, spätestens als Anderson es schafft, die Morde auch in den Medien zu inszenieren, ist die Stadt in Aufruhr.

Die Geschichte zeigt die Austauschbarkeit von Führungsfiguren, die durch die Mechanismen Wut und Angst Anhänger an sich binden, und erklärt so die Absurdität, dass Donald Trump Präsident der USA ist. So weit, so gelungen.

„Cult“ ist die erste Staffel von „American Horror Story“, die ohne übersinnliche Elemente auskommt. Das Gruselfeeling soll alleine durch die mordende Gang rund um Kai Anderson entstehen, es fließt viel Blut, man sieht viele Gedärme und abgeschnittene Gliedmaßen, aber so richtiger Horror will nicht aufkommen.

Die Idee, eine Horrorserie an der Präsidentschaft von Donald Trump aufzuziehen, ist großartig, aber leider ist die Staffel von „AHS“ eher enttäuschend. Man wartet immer auf den großen Knall, auf den bösen Geist, ein furchterregendes Monster, eben auf irgendetwas, aber es kommt nichts. Es gibt keine großen Überraschungen, keine übersinnlichen Plottwists. Der Kult um Anderson entwickelt sich immer weiter, er wird dabei immer gestörter. Das „Monster“ ist diesmal wohl einfach der Mensch. Was irgendwie toll und sehr philosophisch klingt, zündet in der Serie nicht.

Was besonders schade ist, da die schauspielerische Leistung von Evan Peters einfach großartig ist. Er schafft es, den durchgeknallten Kultführer so charismatisch und gleichzeitig beängstigend zu spielen, dass man ihm immer weiter zusehen möchte. Das kann die nicht gerade mitreißende Story zwar nicht wettmachen, aber wenigstens ist der Charakter spannend.

In der nächste Staffel von „American Horror Story“ werden die Macher übrigens wieder etwas Neues versuchen: Ein Crossover aus den Staffeln „Murder House“ und „Coven“ mit dem vielversprechenden Titel „Apocalypse“.

„American Horror Story: Cult“ ist auf Netflix verfügbar.

Die Kolumne „Nächste Folge“  nimmt Streaming- und TV-Serien in den Blick. Alle Ausgaben unter fr.de/serien 

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