Thomas Gottschalk

Des Moderators Rache

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„Gottschalk liest?“: Ein eigenwilliges Format ist im Bayerischen Fernsehen gestartet.

Sarah Kuttner kann schnell sprechen. Und sie ist schlagfertig. Seit einiger Zeit schreibt sie auch Bücher. Ihr aktueller Roman trägt den Titel „Kurt“. Er spielt in Brandenburg und handelt von einer jungen Familie, die auf Seite 70 ihr Kind verliert. Für Thomas Gottschalk, der das Unheil bereits früher im Text erahnt hat, dauerte das ein bisschen zu lange.

So jedenfalls kann man die Unterhaltung mit Sarah Kuttner verstehen, die den Auftakt bildete zur neuen Literatursendung des Bayerischen Rundfunks am Dienstagabend. „Gottschalk liest?“ Das Fragezeichen ist eine Art paradoxes Ausrufezeichen mit Blick auf einen Moderator, den man doch als jemanden kennt, der niemanden ausreden lässt. Liest der wirklich?

Zumindest hat er sich die Bücher angesehen, über die er, so das Konzept der Sendung, mit den eingeladenen Autoren spricht. Zu „Kurt“ erfahren wir noch allerhand über die unterschiedlichen Vorlieben zum Gebrauch von Kaffeesahne.

Ferdinand von Schirach, der einiges über Gottschalks Klamotten, aber nur bedingt etwas zu seinem neuen Buch „Kaffee und Zigaretten“ beiträgt, gibt den alltagssoziologisch bedeutenden Hinweis, dass Männer sich zur Begrüßung auf den Rücken schlagen, während Frauen sich dort sanft reiben. Das kann man lustig finden.

In allen Gesprächen des Abends, unter anderen mit der Autorin Vea Kaiser und dem Fotografen Daniel Biskup, geht es mehr oder weniger um Thomas Gottschalk und dessen narzisstische Kränkung, vom Feuilleton nie so richtig geliebt worden zu sein. In einem Interview hat er denn auch gesagt, die neue Literatursendung sei seine Rache am Feuilleton.

Ist das nun alles ganz schlimm? Nö. Wer Gottschalk mag, wird sich trotz alledem gut unterhalten fühlen. Wer ihn nicht mag, knippst einfach weiter. Fernsehen ist einfacher als Internet. Und wer sich für Literatur interessiert, der weiß schon seit Jahrzehnten, dass man vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk wenig zu erwarten hat, sieht man einmal von „Druckfrisch“ mit Denis Scheck ab.

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