Analyse

Die Mobilfunker klotzen

  • schließen

Freenet schluckt Debitel und rüstet sich damit für die Zukunft. Der technische Wandel zwingt die Branche zu radikalen Schritten. Eine Analyse von Frank Thomas Wenzel

Jetzt geht's los. Manager der Telekommunikationsbranche haben ein Lieblingsthema: die sogenannte Konsolidierung. Der Worte wurden viele gewechselt. Jetzt folgen Taten. Der Mobilfunk- und DSL-Anbieter Freenet kauft den Konkurrenten Debitel, der dem Finanzinvestor Permira gehört. Im Gegenzug wird Permira größter Aktionär bei Freenet. Ein großer Schritt, aber nur ein Zwischenschritt. Es sieht ganz danach aus, dass die Permira-Manager ein neues Unternehmen mit rund 19 Millionen Kunden zimmern mit einem einzigen Zweck, sie wollen es in absehbarer Zeit weiterverkaufen. Entweder in Teilen oder als Ganzes. Und natürlich mit einem kräftigen Gewinn.

Die Heuschrecke übernimmt die Funktion eines Katalysators, in einem Prozess, der unvermeidlich ist und vom technischen Wandel angetrieben wird, der so schnell und tiefgreifend ist, dass seine Folgen selbst für Insider nur schwer abzuschätzen sind. Mit Glasfaserkabeln und neuen Datenübertragungstechniken wird einerseits ein bislang nicht gekannter Rationalisierungsschub gezündet, andererseits wird die Übertragungsgeschwindigkeit in Mobilfunk- und Festnetzen vervielfacht. Diese Beschleunigung macht hochauflösendes Fernsehen auf Handys und Laptops möglich und wirbelt eine ganze Branche durcheinander.

Um all das umzusetzen, sind viele Milliarden an Investitionen nötig. Die Firmen benötigen dicke finanzielle Polster, großzügige Kreditkonditionen und einen möglichst breiten Strom an regelmäßigen Einnahmen. Denn es braucht einen langen Atem, kein Mensch weiß, wann und wie sich neue Dienste durchsetzen. Telcos (Fachjargon) müssen in der Lage sein, Rückschläge und im schlimmsten Fall Fehlinvestitionen zu verdauen. Keine Frage, in der Branche zählt nur eins: Big is beautiful. Deshalb können Finanzinvestoren tatsächlich hilfreich sein beim Umbau der Branche, sofern sie allerdings ihre Funktion nicht missbrauchen und Unternehmen ausplündern. Das ist zwar nie auszuschließen, in der Telekommunikation kommen allerdings die enormen Unwägbarkeiten als disziplinierender Faktor hinzu: Wer hier etwa überzogene Dividenden verlangt, kann schnell die Existenz des Unternehmens und damit das gesamte Investment gefährden.

Worauf das alles letztlich hinausläuft, ist klar. In Deutschland wird am Ende eine Handvoll Unternehmen übrig bleiben. Dazu werden die Deutsche Telekom und Vodafone mit der Tochter Arcor gehören. Die mächtige spanische Telefónica ist schon mit ihrer Tochter O2 präsent, es kommt noch die niederländische KPN hinzu - bis auf Vodafone sind das Ex-Staatskonzerne, die jetzt international aktiv sind. Offen bleibt die Frage, ob Platz bleibt für einen Dienstleister à la Freenet, der im Grunde nur ein Großhändler ist, der sich Netzkapazitäten sichert und weiterverkauft, oder ob auch der von den ganz Großen geschluckt wird.

Die Verbraucher braucht all dies bis auf weiteres nicht zu schrecken. Sie werden von sinkenden Preisen profitieren. Langfristig aber nur dann, wenn die Wettbewerbshüter auf der Hut sind - und zwar auf europäischer Ebene. Denn es ist nicht auszuschließen, dass die Großen am Ende der Konsolidierung nach dem Vorbild der deutschen Stromkonzerne ihre Claims so abstecken, dass de facto neue regionale Monopole entstehen. Das muss verhindert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion