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Was von Mitte übrig blieb

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Das Kunsthaus Tacheles in der Berliner Oranienburger Strasse ist eine Legende der Nachwendezeit. Nun steht es vor dem Aus.
Das Kunsthaus Tacheles in der Berliner Oranienburger Strasse ist eine Legende der Nachwendezeit. Nun steht es vor dem Aus. © dpa

Das Kunsthaus Tacheles steht für Berlin wie der Fernsehturm. Hier traf sich nach der Wende alles, was in der Off-Kunst-Szene etwas werden wollte. Nun soll die Kaufhausruine geräumt werden.

Graffiti und Ruinencharme: Nach dem Mauerfall vor gut 20 Jahren war das Ost-Berliner Kunsthaus Tacheles ein aufregender Ort der Off-Kultur und der Hausbesetzerszene. Heute gilt die Kaufhausruine an der Oranienburger Straße im Bezirk Mitte zwar nicht mehr als richtig cool, aber sie ist eine Attraktion für Touristen aus aller Welt. Das Tacheles ist schon oft totgesagt worden. Doch jetzt wird es ernst. Der Kunsthaus-Verein hat Insolvenzantrag gestellt, die Räumung steht bevor, die Politik soll helfen. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt der vorläufige Insolvenzverwalter, Joachim Voigt-Salus, am Donnerstag.

Rund um das Tacheles ist das Viertel mit Restaurants, Hotels undDesignerläden längst saniert und schick geworden. Die Ruine versprüht auf den ersten Blick das Flair des wilden Berlin, als Zugezogene noch von illegalen Clubs und spottbilligen Wohnungen mit Ofenheizung schwärmten. Anders als das versteckt liegende alternative Haus Schwarzenberg am Hackeschen Markt ist das Tacheles auch kaum zu übersehen. 400000 Besucher zählt der Verein im Jahr. 40 Künstler arbeiten in 30 Ateliers, es gibt Cafés, Theater und ein Kino.

Die HSH Nordbank, die mit ihrer wirtschaftlichen Schieflage in die Schlagzeilen kam, will das große Grundstück laut InsolvenzverwalterVoigt-Salus versteigern lassen und beharrt auf einer Räumung. DerKunsthaus-Verein würde die Ruine auch selbst kaufen, wenn dies ermöglicht wird. Dazu müsste das Tacheles vertraglich aus dem riesigen Gelände herausgelöst werden, was bisher aber abgelehnt wird, erklärt der Verein. Er will dazu mit dem Senat sowie den Regierungen in Hamburg und Kiel sprechen, die Haupteigentümer der Bank sind.

Das Gelände an der Ecke zur teuren Friedrichstraße gehört der Fundus-Gruppe, die auch für ihr Engagement im Seebad Heiligendamm an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns bekannt ist. Das Areal soll um die 30 Millionen Euro kosten, die Tacheles-Ruine allein hat einen Versteigerungswert von 3,58 Millionen Euro. "Ich denke schon, dass es Chancen gibt, die Summe aufzubringen", sagt Tacheles-Vereinsvorstand Martin Reiter.

Bis Ende 2008 zahlte das Kunsthaus den symbolischen Preis von 50Cent Miete im Monat. Der Vertrag wurde nicht verlängert. Es lebtniemand im Haus, aber es gibt besetzte Räume, erzählt Reiter. Im Haus ist es zugig. Es sei schon der zweite Winter ohne Heizung. Von der Fundus-Gruppe habe das Tacheles seit zwei Jahren nichts gehört.Nachfrage bei der Nordbank in Hamburg. Was wird mit dem Geländepassieren? "Die künftige Nutzung des Areals wird sich an der Planungder Investoren ausrichten", heißt es. Näheres ist dazu nicht bekannt.Der Tacheles-Verein will nun beraten, wie er sich im Fall einer Räumung verhalten wird. (dpa)

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