Münchner Haus der Kunst

Meisterwerke vom Fotokünstler

William Eggleston erhebt die Farbfotografie in den 70er-Jahren zur Kunstform. Seine Aufnahmen beeinflussen sogar den Stil von Fotografen und Filmregisseuren. Die Retrospektive zeigt rund 160 seiner Fotografien.

München. Der Amerikaner William Eggleston hat die Farbfotografie in den 70er-Jahren in den Rang einer Kunst erhoben. Seine Aufnahmen des Alltags in den USA haben den Stil von Fotografen und Filmregisseuren beeinflusst. In leuchtenden Farben lotete er die Höhen und Tiefen des amerikanischen Traums aus. Das Münchner Haus der Kunst zeigt ab 20. Februar bis 17. Mai in einer Retrospektive rund 160 Fotografien sowie einige Video-Filme des Künstlers.

Eggleston perfektionierte den Blick für das vermeintlich Nebensächliche. Seine Motive sind Supermärkte, Tankstellen, Bars, Stadtszenen und Landschaften. Mit starken Farbkontrasten bannt er seine Objekte auf Fotopapier, häufig sind die Motive aus ungewöhnlicher Perspektive abgelichtet.

Die Münchner Schau zeigt mit "Greenwood" auch eines der bekanntesten Werke. Es erzielte einen Preis von rund 250.000 US-Dollar. Die Aufnahme einer roten Zimmerdecke entstand aus der Perspektive einer Stubenfliege. An der Wand ist ein Posterausschnitt mit Piktogrammen von Beischlaf-Stellungen erkennbar. Auf einer anderen berühmten Fotografie ist bildfüllend ein Dreirad abgebildet, das aus der Froschperspektive vor einem Einfamilienhaus aufgenommen wurde.

Nichts sei ihm "mehr oder weniger wichtig", sagt der Künstler.Alles, was sein Auge erblicke, sei gleich bedeutsam und abbildungswürdig. Diese Überzeugung schärfte Egglestons Blick fürs Alltägliche und Banale, das in seinen Fotografien aber häufig erhaben dargestellt wird.

Zwtl: In New York gefeiert Als William Egglestons Werke 1976 im New Yorker Museum of Modern Art erstmals in einer Einzelausstellung zu sehen waren, urteilte ein Kritiker, das sei die "meistgehasste Schau des Jahres". Die Münchner Retrospektive, die zuvor in New York gastierte, ist dagegen als "beste Fotografie-Ausstellung des Jahres 2008" gelobt worden.

Der Chef des Hauses der Kunst, Chris Dercon, hat eine Erklärung für diesen Wandel: "Damals war die Farbfotografie ganz der Werbung und dem Journalismus vorbehalten. Heute ist Eggleston wohl der Fotograf mit dem größten Einfluss auf die Filmkunst." Egglestons Werk inspirierte eine jüngere Generation von Fotografen und Filmregisseuren, etwa David Lynch, Oscar-Preisträgerin Sofia Coppola sowie den deutschen Fotografen Wolfgang Tillmans, der im Jahr 2000 als erster Foto-Künstler mit dem renommierten Turner-Prize ausgezeichnet wurde.

Zwtl: Mit Dennis Hopper unterwegs Eggleston arbeitet in Serien, seine bekannteste heißt "Los Alamos". Sie entstand in den späten 60er- und 70er-Jahren auf Streifzügen durch den Süden der USA, die er im Auto mit Freunden wie dem Schauspieler und Regisseur Dennis Hopper unternahm. In dieser Serie lichtete der Künstler die Vereinigten Staaten aus der Perspektive eines Durchreisenden ab.

Die Retrospektive präsentiert auch frühe Arbeiten in Schwarz-Weiß, die in der Nähe von Memphis entstanden. Dort wuchs Eggleston als Sohn einer wohlhabenden Plantagenbesitzer-Familie auf. Mitte der 60er-Jahre begann der Künstler, konsequent in Farbe zu fotografieren. Mit nur wenigen Ausnahmen ist er diesem Grundsatz bis in die Gegenwart treu geblieben.

Derzeit arbeitet William Eggleston an einer Bildserie über Paris.Von dort war er übrigens in den frühen 60er-Jahren enttäuscht zurückgekehrt, ohne auch nur eine einzige Aufnahme gemacht zu haben. Er habe damals das Gefühl gehabt, die Stadt sei bereits von seinem großen Idol Henri Cartier-Bresson erfüllend abgelichtet worden. (ap)

www.hausderkunst.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion