Isao Takahata, japanischer Trickfilmregisseur, gewinnt beim Filmfestival in Locarno neue Fans.
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Isao Takahata, japanischer Trickfilmregisseur, gewinnt beim Filmfestival in Locarno neue Fans.

Porträt

Meister der Animation

  • vonMichael Kohler
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Das Filmfestival von Locarno steht im Zeichen des japanischen Animationsfilms. Es beherbergt mit Isao Takahata einen Ehrengast, der in seiner Heimat als stille Größe des berühmten Ghibli Studios verehrt wird. Von Michael Kohler

Das Filmfestival von Locarno steht seit Mitte der Woche im Zeichen des japanischen Animationsfilms. Es beherbergt mit Isao Takahata einen Ehrengast, der in seiner Heimat als stille Größe des berühmten Ghibli Studios verehrt wird, im Westen aber im Schatten seines Partners Hayao Miyazaki steht. Damit ergeht es ihm wie dem gesamten Anime-Genre, das vom Trickfilmboom in unseren Kinos kaum profitieren kann. Locarno betritt mit seiner glänzend betreuten Filmreihe also durchaus Neuland, und es ist nicht nur Takahata zu wünschen, dass sich nach den gezeichneten Mangas auch die Animes bei uns etablieren.

Lediglich vier Werke hat der Altmeister des japanischen Trickfilms inszeniert, seitdem er sich 1985 mit Miyazaki selbstständig machte. Doch allein für sein drei Jahre später entstandenes Meisterwerk "Die letzten Glühwürmchen" ist ihm ein Platz in der Filmgeschichte sicher. Dessen tragischer Held, ein Junge, der mit seiner fünfjährigen Schwester durch das vom Zweiten Weltkrieg versehrte Japan irrt, gehört sicher nicht zufällig zu Takahatas Generation. Über seinem Werk liegen die Schatten der Vergangenheit, nur selten erlaubt er sich und seinen Figuren, in ein fantastisches Märchenreich zu fliehen.

Nach einem Literaturstudium stieß der 1935 geborene Takahata als Seiteneinsteiger zum Toei Animation-Studio, wo er in wechselnden Positionen Erfahrungen sammelte und früh auf Hayao Miyazaki traf. Gemeinsam schufen sie die Fernsehserie "Heidi" und gründeten nach Miyazakis überraschend erfolgreichem Spielfilm "Nausicaä" das Ghibli-Studio. Hier gingen sie ein Wagnis ein, an dem selbst Walt Disney zu seiner besten Zeit beinah gescheitert wäre: Innerhalb eines Jahres produzierten sie zwei aufwändige Trickfilme, Takahatas "Glühwürmchen" und Miyazakis "Mein Nachbar Totoro", die jeweils für eine unverwechselbare Handschrift stehen und gleichzeitig das Ergebnis gemeinsamer schöpferischer Anstrengung sind.

Beide Filme begleiten Kinder durch eine schwere Zeit, doch während sie bei Miyazaki im Reich der Träume Trost finden, um in eine verwandelte Wirklichkeit zurückzukehren, bleibt Takahata auch in den poetischen Momenten seines Films ein mitfühlender, aber unnachgiebiger Realist. Gerade der ruhige Stil rührt zu "Tränen der Erinnerung", von denen Takahata im nächsten Film erzählt. Es ist ein Stil, der sich mit großer Selbstverständlichkeit an den Meistern des Realfilms schult und selbst in seiner zuletzt erschienenen Tierfabel "Pom Poko" nicht zu übersehen ist. Eine Waschbären-Sippschaft zieht darin gegen die Menschen zu Felde, die ihre Heimat zerstören - mit scharfen Zähnen und heimtückischer Magie.

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