Antisemitismus-Vorwurf

Jüdisches Museum Berlin: Mehr Platz für den „jüdischen Blickwinkel“

Josef Schuster erläutert seine Kritik am Jüdischen Museum in Berlin.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat seine Kritik am Jüdischen Museum in Berlin näher erläutert. Schon vor dem Rücktritt von Museumsdirektor Peter Schäfer habe es in dem Haus Entwicklungen gegeben, die ihn besorgt gemacht hätten und über die er mit Schäfer gesprochen habe, sagte Schuster der „Jüdischen Allgemeinen“ (Donnerstag). „Der Tweet reiht sich ein in eine Vielzahl kritikwürdiger Ereignisse, wie den Besuch des iranischen Kulturattaches oder die umstrittene Jerusalem-Ausstellung.“ Er habe aber zu keinem Zeitpunkt Schäfers Rücktritt gefordert, betonte Schuster.

Schäfer war Mitte Juni zurückgetreten. Der Zentralrat hatte zuvor scharf kritisiert, dass das Museum per Internet eine Leseempfehlung (den von Schuster angesprochenen Tweet) für einen Zeitungsartikel über Wissenschaftler gegeben hatte, die einen Beschluss des Bundestags gegen die anti-israelische BDS-Bewegung verurteilen. Die BDS-Bewegung ruft unter anderem zum Boykott israelischer Waren auf. Der Rücktritt Schäfers hat sowohl Zustimmung als auch Kritik hervorgerufen.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass der frühere Berliner Wissenschaftssenator Christoph Stölzl (CDU) Vertrauensperson für den Stiftungsrat des Jüdischen Museums Berlin (JMB) wird. Mit der Berufung zu der ehrenamtlichen Aufgabe setzte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) einen einstimmigen Beschluss des JMB-Stiftungsrates um.

Er habe „keine Zweifel“ an der Qualifikation des Judaisten Schäfer, sagte Schuster. Auch habe er ihm nicht Antisemitismus vorgeworfen. „Was ich als problematisch erachte, ist die politische Haltung, die durch das Jüdische Museum vertreten wurde.“ Ein Museum sollte ein Ort des Austauschs und der Diskussion sein. „Warum aber muss sich das Jüdische Museum einseitig politisch positionieren, wie zum BDS-Beschluss des Bundestages? Dafür habe ich kein Verständnis.“ Das Museum habe nach seinem Eindruck „jüdische Perspektiven, die auch sehr verschieden sein können“, vernachlässigt, sagte Schuster. Er wünsche sich, dass künftig dem „jüdischen Blickwinkel“ mehr Platz eingeräumt werde. Gegen den erzwungenen Rücktritt Schäfers haben in den letzten Tagen über 200 jüdische Intellektuelle und Gelehrte aus dem In- und Ausland protestiert. (kna/fr)

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